Welche Mitarbeiter Wiener Betriebe suchen

27. Jänner 2016, 12:01
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Künftig werden vermehrt Lehrlinge und Uni- sowie FH-Absolventen technischer Fachrichtungen gebraucht

FH-Absolventen, Akademiker in technischen Bereichen und Lehrlinge haben gute Jobaussichten, AHS-Maturanten weniger: Das hat eine von der Wirtschaftskammer Wien beim Institut Jaksch & Partner in Auftrag gegebene Umfrage unter 1.500 Unternehmen ergeben.

Die Ergebnisse der "Bildungsbedarfanalyse" zeigen, dass 16 Prozent der Betriebe in den nächsten Jahren mehr Lehrlinge brauchen werden, als sie heute ausbilden. Gleichzeitig dürfte beim Ausbildungsniveau der Bewerber weiterhin einiges im Argen liegen: 69 Prozent der befragten Unternehmer sagen, dass dieses schlechter geworden sei – "kein Wunder also, dass 19 Prozent der Wiener Betriebe ihre Lehrstellen im letzten Jahr nicht besetzen konnten", sagte Stefan Ehrlich-Adám, Industrie-Spartenobmann, am Mittwoch bei der Präsentation der Analyse in Wien. Hochgerechnet seien es 2.000 Lehrstellen, die im letzten Jahr nicht besetzt werden konnten.

Wirtschaftswissenschatliches Wissen

Bei Absolventen von Polytechnischen Schulen beklagen ebenfalls 69 Prozent der Betriebe das "mangelhafte bis schlechte" Ausbildungsniveau. Was könnte Abhilfe schaffen? Ehrlich-Adám: "Ein Berufseinführungsjahr beispielsweise. Auch die Erreichung von Bildungszielen müsste sichergestellt werden."

Die Hälfte der Wiener Betriebe gab bei der Befragung übrigens an, dass das Bildungsniveau der Wiener Absolventen von Polytechnischen Schulen schlechter sei als jenes der Bewerber aus den Bundesländern.

AHS-Absolventen, das ist ein weiteres Ergebnis der Analyse, werden offenbar nur von wenigen Unternehmen nachgefragt: Lediglich 16 Prozent haben Positionen für sie. Demgegenüber wird es für HTL-Absolventen mittelfristig mehr Jobs geben, ein Zuwachs im Ausmaß von sechs Prozent wird erwartet. Dass diese aber mehr wirtschaftswissenschaftliches Wissen mitbringen sollten, diesen Wunsch formulierten zwei Drittel der Unternehmen.

FH-Absolventen beliebt

Für Fachhochschulabsolventen sind die Aussichten ebenfalls gut – 15-Prozent mehr Jobs wird es künftig der Bildungsbedarfanalyse zufolge für sie geben. Unternehmen schätzen an ihnen besonders ihre Praxisorientierung (von 57 Prozent genannt), ihre Nachteile im Vergleich zu Uni-Absolventen: geringe Selbstständigkeit (13 Prozent) und verschulte Denkweise (13 Prozent). Besonders nachgefragt werden offenbar Absolventen der Ingenieurwissenschaften, der Informatik und der Bereiche Medizin und Gesundheit.

Bei der Anzahl der Jobs für Uni-Absolventen rechnen die Betriebe mit einem Plus von neun Prozent. Gesucht auch hier: Absolventen der Fachrichtungen Ingeneurwissenschaften (40 Prozent), Technik, Informatik (32 Prozent) sowie Naturwissenschaften (12 Prozent), Medizin und Gesundheit (12 Prozent). "Wir brauchen nicht mehr Juristen, nicht mehr Wirtschaftsstudenten", sagt Ehrlich-Adám.

Bewerber mit Master-Abschluss sind beliebter: Nur 11 Prozent der Unternehmen haben Positionen speziell für Bachelor-Absolventen. 88 Unternehmen befürworteten in der Umfrage das Weiterstudieren bis zum Master.

Um das Bildungsniveau in der Bundeshauptstadt – aus Sicht der Wirtschaftskammer – wieder zu heben, wurde ein Fünf-Punkte-Plan erstellt. Dazu zählen: kein Schulabschluss ohne Mindestbildungsstandards, der Ausbau ganztägiger Schulformen, eine Reform der neunten Schulstufe, Wirtschaftsbildung bereits ab der Volksschule und eine Imagepolitur für Lehre und Facharbeit. (lib, 27.1.2016)

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