Wiener SPÖ schickt Funktionäre in Grätzl

26. Jänner 2016, 19:37
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Grüne Wien berieten bei ihrer Klubklausur über Strategien gegen Schwarz-Blau

Wien – Dass es Vertrauens- und Ansprechpersonen in den verschiedenen Wiener Grätzln braucht, kündigte Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) schon einen Tag nach der Wienwahl im Oktober 2015 an. Die großen Verluste, vor allem in den Flächenbezirken Floridsdorf, Favoriten, Donaustadt und Simmering, sowie das Erstarken der FPÖ hatte der SPÖ einiges an Kopfzerbrechen bereitet. Am Dienstag verkündeten die Wiener Sozialdemokraten zum Abschluss ihrer zweitägigen Vorstandstagung am Kahlenberg den Start einer Nachbarschaftsaktion.

SPÖ-Funktionäre sollen in ihren Grätzln vermehrt das Gespräch mit den Anrainern suchen. Diese "müssen sich mehr mit den Leuten und weniger mit der Verwaltung beschäftigen", sagte Häupl. Der Kontaktmann vor Ort soll Ansprechperson sein, aber auch auf mögliche Serviceleistungen der Stadt verweisen. Freunderlwirtschaft wie einst soll es freilich nicht mehr spielen. "Die Zeiten, wo man am Wirtshaustisch Gemeindewohnungen vergeben hat, sind vorbei", sagte Häupl.

"Raus aus den Sektionslokalen"

Stattdessen soll bei Gesprächen das erörtert werden, was die Anrainer bewegt und verärgert. Die Funktionäre müssten dafür "raus aus den Sektionslokalen hin zu den Leuten". Vor allem dort, wo Sektionen zuletzt zusammengelegt wurden, gebe es "weiße Flecken", die eher wenig betreut wurden, sagte Landesparteisekretär Georg Niedermühlbichler. Diesen werde man sich besonders intensiv widmen.

Die Grätzl-Gespräche sollen ab Mai starten, in den entsprechenden Stadtteilen sollen Sektionen über Grenzen hinweg zusammenarbeiten. Im Herbst soll dann in allen Grätzln eine Befragung durchgeführt werden, wobei die Fragebögen je nach Stadtteil unterschiedliche Fragen beinhalten. Die Teilnahme ist nur namentlich möglich, Ergebnisse sollen ab November präsentiert werden.

Zudem soll die Organisation der SPÖ reformiert werden. Sie will sich "hin zu einer Mitmachpartei öffnen", wie Niedermühlbichler festhielt. Auch das ehrenamtliche Engagement soll gestärkt werden.

"Dorn im Auge"

Auch die Wiener Grünen berieten am Montag und Dienstag. Bei der Klubklausur in Neusiedl – sonst setzt sich traditionell die SPÖ im Burgenland zusammen – seien ÖVP und FPÖ Thema gewesen. Ihnen sei die einzige rot-grüne Regierung Österreichs "ein Dorn im Auge", so Klubobmann David Ellensohn zum STANDARD: "Wir werden sehen, wo es die ÖVP hinbringt, die FPÖ zu kopieren."

Zu den "Strategien gegen den Beschuss" gehören bereits bekannte Vorhaben: die gemeinsame Schule für Sechs- bis 14-Jährige durchsetzen, Flüchtlinge integrieren und leistbaren Wohnraum schaffen. Planungssprecher Christoph Chorherr schlug kürzlich vor, wie das zu verbinden sei: Mit Holz-Fertigbauteilen, wie es sie bereits in der Seestadt Aspern gibt. Sie könnten schnell errichtet und günstig für Flüchtlinge wie Studierende bereitstehen. (David Krutzler, Christa Minkin, 27.1.2016)

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