Digitalkiosk read.it: "Spotify für Magazine" startet in Österreich

27. Jänner 2016, 11:03
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Ein Gratismodell und drei Premiumvarianten von 9,99 bis 19,99 Euro monatlich geplant – Mit Verlagsgruppe News, Styria und "Wiener Zeitung"

Wien – In den österreichischen Digitalmarkt kommt Bewegung: Nach Blendle, Selectyco und dem APA-Kiosk betritt mit read.it ein weiterer Anbieter die Bühne, um Verlagshäuser sein Modell der Monetarisierung von Inhalten schmackhaft zu machen. Bei einigen namhaften Verlagen ist das bereits gelungen. Mit den Magazinen der Verlagsgruppe News ("Profil", "Trend", "News", "Woman"), der Styria ("Miss", "Diva"), aber auch des Manstein- ("Horizont", "Bestseller") und des Falter-Verlags (allerdings nur "Heureka" und Sonderhefte) deckt "read.it" laut eigenen Angaben 85 Prozent des österreichischen Magazinmarktes ab. Am Mittwochvormittag wurde die App, die gratis für Apple und Android verfügbar ist, in Wien vorgestellt.

Drei Tarife und eine kostenlose Variante

"Read.it" positioniert sich mit einer Flatrate als eine Art "Spotify für Magazine". Leser sollen künftig zwischen monatlichen Premiumvarianten, die auch Offlinelesen ermöglichen, und einem werbefinanzierten Gratismodell, das alle Medien inkludiert, wählen können. Derzeit fallen für alle verfügbaren Titel 9,99 Euro monatlich an. Sobald mehr Medien an Bord sind, soll die Flatrate für Tageszeitungen 14,99 Euro kosten. Magazine und Tageszeitungen dürften dann 19,99 Euro pro Monat kosten, hieß es bei der Präsentation – alles ohne Werbeunterbrechung. Beim kostenlosen Modell soll je nach Nutzung alle drei bis fünf Minuten Werbung eingeblendet werden. Wird öfter geblättert, verkürzen sich die Intervalle.

Das Ziel sind 30.000 Nutzer bis Ende des Jahres, sagte "Read.it"-Manager Jörg Braun im Vorfeld der Präsentation zum STANDARD. Und: "Wir sind nach meinem Kenntnisstand die erste Plattform, die das Spotify-Modell auf die Printbranche überträgt." Hinter "read.it" steckt der deutsche Pressegroßhändler PVG – Presse-Vertriebs-Gesellschaft, der in Deutschland mehr als 6.400 Pressestellen mit jährlich über 200 Millionen Presseerzeugnissen beliefert. Nach dem Markteintritt in Österreich hat PVG auch Deutschland und die Schweiz im Visier. "Wir möchten junge Leute für Printprodukte gewinnen."

200 Titel

Im Portfolio der App befinden sich zum Start rund 200 Printtitel – neben den österreichischen auch deutsche Blätter wie jene der Funke-Gruppe, der Motorpresse oder von Falkemedia. Weit vorsichtiger als die Magazine agieren noch Tageszeitungen, von denen aus Österreich bis jetzt das Gratisblatt "Heute" und immerhin die "Wiener Zeitung" an Bord sind. Dazu gesellt sich aus Deutschland noch die "Rheinische Post". Grund für die Zurückhaltung mancher Tageszeitungen dürften eigene Strategien sein, mit denen der E-Paper-Verkauf forciert werden soll. DER STANDARD hat etwa im Verbund mit den Styria-Zeitungen "Kleine", "Presse" und "Wirtschaftsblatt" mit "epaper.at" eine Plattform gegründet, die vier E-Paper in einem Abo bündelt.

Geht es nach den Plänen von PVG, dann soll das Angebot aber sukzessive erweitert werden: "Das Ziel ist, nationale und internationale Tageszeitungen auf die Plattform zu bekommen", sagt Braun, ohne Namen nennen zu wollen. Neben der "Wiener Zeitung" sollen schon bald weitere renommierte Blätter dazukommen.

Erlöse werden aufgeteilt

Die Einnahmen aus dem Premiumodell und den Werbeerlösen werden nach einem Schlüssel zwischen PVG und den Verlagen aufgeteilt, wobei Braun nicht konkretisieren möchte, wer wie viel bekommt. Nur so viel: "Wir sind nicht schlechter als Blendle." Beim niederländischen Digitalkiosk, der Artikel vom Gesamtprodukt entkoppelt und einzeln verkauft, verbleiben 30 Prozent bei Blendle, der Rest geht an die Medienhäuser. Nach STANDARD-Infos dürfte das Verhältnis in etwa gleich sein.

Der Vorteil aus Usersicht ist neben der Angebotsvielfalt die einfache Bedienung der App und der Zugriff auf Archivausgaben. Zum Start sind laut "Read.it" 11.000 verfügbar. Mittels Suchfunktion können ältere Blätter nach Themen oder Personen durchforstet werden. Die einzelnen Hefte sind zwar nicht viel mehr als Pdfs, können aber von den Medien selbst "interaktiviert" werden, wie Braun das nennt. Etwa mit Links zu Videos oder eigenen Werbekunden. "Read.it" rechnet je nach Abrufen und Nutzungszeit für jede Publikation einzeln ab.

Nach der zweijährigen Vorbereitungszeit für den Markteintritt in Österreich plant PVG noch heuer den Gang in die Schweiz. "Deutschland soll spätestens 2017 folgen", sagte Braun. (Oliver Mark, 27.1.2016)

  • Der Digitalkiosk "read.it" startet in Österreich.
    foto: pvg

    Der Digitalkiosk "read.it" startet in Österreich.

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