Leben trotz und mit Krebs

26. Jänner 2016, 13:37
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Die Krebssterblichkeit ist in den vergangen 25 Jahren zwar um 21 Prozent gesunken, doch Ärzte haben zu wenig Zeit, um ihre Patienten zu informieren und aufzuklären

Wien – In den vergangenen Jahren gab es wichtige Fortschritte in der Krebstherapie. Es handelt sich dabei um neue Ansätze, die bösartige Tumore zielgerichtet bekämpfen. Darauf wiesen Wiener Experten am Dienstag bei einer Pressekonferenz im Vorfeld des Welt-Krebs-Tags am 4. Februar hin.

"Die Krebssterblichkeit ist in den vergangenen 25 Jahren um 21 Prozent gesunken", sagte der Onkologe Christoph Zielinski, Leiter der Universitätsklinik für Innere Medizin I im AKH. Dieser Erfolg ist vor allem wissenschaftlichen Errungenschaften geschuldet. "Es geht allerdings noch ein Stück besser", meinte der Experte unter Hinweis auf Prävention, die Erkrankungen verhindern kann. – Etwa beim Rauchen, dem größten Risikofaktor für Lungenkrebs.

Die Palette der Behandlungsmöglichkeiten ist in jüngster Zeit durch immunologische Tumortherapien maßgeblich erweitert worden. Die ersten zugelassenen Präparate haben sich im klinischen Einsatz bewährt, neue Substanzen befinden sich in einem fortgeschrittenen Stadium der Entwicklung. Wesentliche Fortschritte gibt es darüber hinaus in der personalisierten Medizin. Dabei geht es darum, die optimalen Indikationen und Kombinationen von Therapien zu finden.

Neue Medikamente

Wurde Krebs jahrzehntelang nach seiner anatomischen Lokalisation unterschieden – also Brustkrebs, Lungenkrebs, usw. – differenzieren die Mediziner nun auch nach seinem molekularbiologischen Muster. Von Brustkrebs zum Beispiel gibt es mehrere Unterarten, die unterschiedliche Behandlung erfordern. In den frühen 1980er-Jahren lebten zehn Jahre nach der Brustkrebs-Diagnose 60 Prozent der Patientinnen, mittlerweile sind es 90 Prozent.

52 Präparate gegen Krebs seien 2014/2015 in den USA registriert worden, nur fünf davon waren Chemotherapeutika, sagte Zielinski. Im öffentlichen Bewusstsein erfordert das ein Umdenken: Krebstherapie bedeutet nicht mehr zwangsläufig Chemotherapie mit allen gefürchteten Nebenwirkungen wie Haarausfall und Übelkeit. Injektionen und Tabletten mit andersartigen Folgeerscheinungen bieten alternative Optionen.

Es braucht Zeit

"Vor 20 Jahren, als ich als Onkologin begonnen habe, hat es etwa ein Dutzend Medikamente gegeben. Brustkrebspatentinnen sind ähnlich behandelt worden wie Lungenkrebspatienten. Therapie und Nebenwirkungen waren rasch erklärt. Das ist jetzt anders", sagte Gabriela Kornek, Leiterin der Cancer School CCC Vienna und Präsidentin des Vereins "Leben mit Krebs". Das Gespräch zwischen Arzt und Patient braucht daher mehr Zeit, die der Arzt allerdings nicht unbedingt hat.

Das bestätigte Paul Sevelda, Vorstand der Gynäkologie am Krankenhaus Wien-Hietzing, in seiner Funktion als Präsident der Krebshilfe: Dort suchen immer mehr Patienten und Angehörige Rat in Sachen Erkrankung und Therapie, weil entsprechende Fragen von den behandelnden Ärzten nicht ausreichend beantwortet würden. Sevelda führt das auf das neue Ärzte-Arbeitszeitgesetz zurück, das deren Wochenarbeitszeit auf 48 Stunden beschränkt. "Der Faktor Zeit mit und für Patienten ist von enormer Bedeutung", mahnte der Experte, "die Situation ist inakzeptabel und erfordert ein rasches Handeln der politisch Verantwortlichen." (APA, 26.1.2016)

Veranstaltungshinweis:

Der Verein "Leben mit Krebs" ist am 9. Februar beim Krebstag im Wiener Rathaus vertreten und informiert dort über Therapiemöglichkeiten und begleitende Themen wie Rehabilitation oder Thromboserisiko bei Krebs.

Die Plattform versteht sich auch als Basis für den Wissenstransfer von der Forschung zum behandelnden Arzt. Auf der Website werden Fachvorträge angeboten.

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