Forscherinnen bleiben oft kinderlos

26. Jänner 2016, 12:34
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Fast jede zweite österreichische Wissenschafterin bleibt unfreiwillig kinderlos. Schuld sind Prekarität und Betreuungsplatzmangel

Wien – Obwohl Wissenschafterinnen in Österreich im Schnitt gerne zwei Kinder hätten, bleibt das für viele ein Wunsch. Einer Studie des Instituts für Demografie der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zufolge haben Forscherinnen zwischen 40 und 45 Jahren durchschnittlich nur 0,9 Kinder, 44 Prozent sind überhaupt kinderlos.

Dass Wissenschafterinnen und Professorinnen in Österreich und Deutschland selten Mütter werden, wurde bereits in der Vergangenheit belegt. Der Anteil der kinderlosen Frauen in diesen Berufsgruppen reicht demnach von 45 bis 60 Prozent. Das ist nicht in allen europäischen Ländern so: In Polen bleibt ein Viertel der Professorinnen kinderlos, in Schweden ein Fünftel, in Frankreich und Spanien nur zehn Prozent. Auch diese Zahlen stammen aus der aktuellen ÖAW-Untersuchung unter Federführung von Isabella Buber-Ennser, Caroline Berghammer und Alexia Prskawetz.

Prekariat und Professur

Dass so wenige Wissenschaftinnen in Österreich Mütter werden, liegt der Untersuchung zufolge vor allem am meist sehr langen und unsicheren Karriereweg in den Wissenschaften, der häufig von Prekarität und befristeten Arbeitsverträge gekennzeichnet ist. Auch die geringe Vereinbarkeit von Familie und Forscherberuf sowie zu wenige und mangelhaft ausgebaute Kinderbetreuungseinrichtungen werden als Gründe genannt.

Für ihre im Jahr 2011 erstmals veröffentlichte und nun überarbeitete Studie haben die Demografinnen 196 Wissenschafterinnen befragt, die bei der ÖAW einen Antrag auf ein Pre- oder Postdoc-Stipendium gestellt haben. So konnten sie sicherstellen, dass tatsächlich Frauen befragt wurden, die in die Wissenschaft gehen beziehungsweise dort bleiben wollten.

Durchschnittlicher Kinderwunsch

Forscherinnen unter 35 Jahren gaben im Durchschnitt an, sich zwei Kinder zu wünschen, was weitgehend mit Angaben von Frauen mit Hochschul- und niedrigeren Bildungsabschlüssen übereinstimmte. "Eine Möglichkeit wäre nämlich gewesen, dass Wissenschafterinnen generell öfter kinderlos bleiben möchten. So ist es aber nicht", sagt Buber-Ennser.

Lediglich elf Prozent der befragten Forscherinnen zwischen 29 und 34 Jahren erklärten, dass sie wahrscheinlich oder definitiv kinderlos bleiben wollen. Während lediglich 16 Prozent der Frauen zwischen 40 und 44 mit Sekundarstufen-Abschluss oder darunter und knapp 30 Prozent der Frauen mit tertiärem Bildungsabschluss tatsächlich kinderlos bleiben, war es unter den Forscherinnen dieser Altersstufe fast jede Zweite.

Berufswechsel oder Kinderlosigkeit

Junge Frauen, die eine wissenschaftliche Karriere anstreben, wollen demnach "sehr wohl Kinder", sagt Buber-Ennser. Sie würden diesen Wunsch aber entweder zurückstellen oder in ein berufliches Gebiet wechseln, in dem sie ihren Kinderwunsch besser verwirklichen können. (APA, red, 26.1.2016)

  • Hohe Bildung, keine Kinder – das ist die Lebensrealität vieler Forscherinnen in Österreich.
    foto: apa

    Hohe Bildung, keine Kinder – das ist die Lebensrealität vieler Forscherinnen in Österreich.

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