Brancheninsider: Microsoft plant Neustart für mobiles Windows 10

26. Jänner 2016, 11:41
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ARM-Version soll angeblich gestrichen werden – Konzentration auf x86-CPUs und Surface Phone

In den vergangenen Jahren hat Microsoft gehörige Ressourcen in die Entwicklung eines eigenen Betriebssystems für Smartphones gesteckt. Doch was das Unternehmen bisher auch immer versuchte, der Erfolg will sich nicht so recht einstellen. Die aktuellsten Zahlen von IDC weisen Windows (Phone) einen weltweiten Marktanteil von gerade einmal 2,2 Prozent aus, und selbst diesen kann Microsoft nur mit Dumping-Preise halten. Der durchschnittliche Verkaufspreis von 148 US-Dollar pro Gerät liegt weit unter jenem der Android-Konkurrenz – vom iPhone ganz zu schweigen.

Windows 10

All dies sollte eigentlich Windows 10 ändern: Mit einer gemeinsamen Plattform für Desktop und mobile Geräte hoffte Microsoft nicht zuletzt endlich mehr App-Entwickler anzuziehen. Doch die Vorstellung des mobilen Windows 10 stand ebenfalls unter keinem guten Stern. Microsoft musste viel Kritik dafür einstecken, dass die ersten, mit neuen Lumia-Smartphones veröffentlichten, Versionen von Windows 10 alles andere als stabil waren.

Umschauen bei der Konkurrenz

Gleichzeitig war in den letzten Monaten unübersehbar, dass Microsoft seine mobile Strategie angepasst hat. Hatte das Unternehmen lange versucht, die eigene Plattform zu bevorzugen, gibt es mittlerweile beinahe alle Microsoft-Apps auch für Android und iOS. Vor allem Googles Betriebssystem wird zunehmend zum Experimentierfeld für die Redmonder, während einige alte Windows Phone-Apps gestrichen wurden.

Neuer Kurs?

In diesem Umfeld plant Microsoft nun offenbar eine weitere Kurskorrektur für die mobile Ausgabe seines Betriebssystems – so will es zumindest der meist gut informierte Brancheninsider Eldar Murtazin in Erfahrung gebracht haben, wie Winfuture berichtet. In Berufung auf Gespräche mit Microsoft-Partnern heißt es, dass Windows 10 Mobile in seiner derzeitigen Form vor dem Aus stehe.

Ankündigung

In internen Briefings soll Microsoft seine Partner darüber informiert haben, dass man das mobile Windows 10 für ARM-Prozessoren einstellen wolle. Diese Chips finden in praktisch allen aktuellen Smartphones ihren Einsatz. Mit dem Ende der ARM-Unterstützung gehe das Aus für Lumia-Smartphones einher, und damit auch für jene Sparte, die Microsoft erst im April 2014 für mehr als fünf Milliarden US-Dollar von Nokia übernommen hatte. Das für Frühjahr geplante Lumia 650 soll zwar noch veröffentlicht werden, aber das letzte Gerät dieser Reihe bleiben.

Surface Phone

Dies bedeutet aber nicht, dass Microsoft den Mobilmarkt vollständig aufgeben will. Viel mehr soll im September dann das seit Monaten durch die Gerüchteküche geisternde Surface Phone veröffentlicht werden – aber eben auf Basis eines x86-Prozessors von Intel. Damit würde Microsoft am Smartphone die gleiche Prozessorarchitektur einsetzen, die auch bei Desktop-Rechnern zum Einsatz kommt. Theoretisch würden hier also klassische Windows-Programme laufen – auch wenn diese natürlich zuerst für den Formfaktor angepasst werden müssten. Ein Grundgedanke hinter dieser Wahl ist offenbar, die Verzahnung zwischen Desktop und Smartphones, wie man sie derzeit mit dem Continuum-Modus für aktuelle Lumia-Geräte forciert, auf eine neue Ebene zu heben.

Wintel 2

Ein Fokus auf x86-Chips würde zudem bedeuten, dass Microsoft seine Hoffnungen einmal mehr auf Intel setzt. Gemeinsam hatte man jahrelang die Computerwelt im Alleingang dominiert. Nun könnte aber auch Intel dringend einen neuen Erfolg brauchen, im mobilen Bereich spielen die Prozessoren des Unternehmens bisher nur eine untergeordnete Rolle.

Disclaimer

Abzuwarten bleibt bei all dem natürlich, ob Murtazins Quellen korrekt sind. Zwar ist der Journalist in der Vergangenheit oft mit seinen Informationen richtig gelegen – aber eben nicht immer. Angesichts der Entwicklungen der letzten Monate scheint all das Berichtete aber zumindest denkbar. So war zuletzt sowohl vom Ende der Lumia-Marke als auch von einem kommenden Surface-Phone mit Intel-Prozessoren zu hören. (red, 26.1.2016)

  • Artikelbild
    foto: apa/epa/peter steffen
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