Restitution von Tür zu Tür: Historische Grafiken an Kloster zurückgegeben

25. Jänner 2016, 18:22
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Bibliothek der Salzburger Uni hatte in ihren Beständen Werke, die der nahen Erzabtei Stift St. Peter gehören

Salzburg – Die Bibliothek der Salzburger Paris-Lodron-Universität restituiert 55 grafische Dokumente an die Erzabtei Stift St. Peter, darunter eine Spielkarte aus dem 16./17. Jahrhundert. Die Stücke kamen in der NS-Zeit in die Uni-Bibliothek. Im Zuge der Provenienzforschung wurde der rechtmäßigen Besitzer eruiert. Die Grafiken werden am Mittwoch an St. Peter zurückgegeben.

Hintergrund

Die Universitätsbibliothek erforscht seit 2009 ihre Geschichte während der Zeit des Nationalsozialismus und geht der Frage nach, ob sich in ihren Beständen NS-Raubgut befindet. Dabei konnten die vorliegenden Grafiken St. Peter zugeordnet und als Raubgut eingestuft werden, erklärte die Universität Salzburg. Die Erzabtei liegt nur wenige Meter von der Uni-Bibliothek entfernt.

Auf den Grafiken selbst finden sich keinerlei Besitzvermerke des Klosters. Ein erstes Indiz dafür, dass es sich um Raubgut handelt, ist laut Universität der Akribie des damaligen Bibliotheksleiters Ernst Frisch zu verdanken, der zum Verwalter der Bibliothek des aufgelösten Klosters eingesetzt worden war. Er vermerkte im Grafikkatalog der Universitätsbibliothek über die Herkunft der Blätter: "Aus St. Peter". Ein weiteres und eindeutiges Indiz lieferten die Signaturen, welche die Eingliederung der Grafiken in den Bestand der damaligen Studienbibliothek auf die Jahre zwischen 1944 und 1945 eingrenzen – ein Zeitraum, in dem das Stift aufgelöst und Frisch Verwalter der Klosterbibliothek war.

Noch ein "kurzer Weg"

Eine Grafik ließ sich der Universität zufolge sofort eindeutig als Raubgut identifizieren: eine Spielkarte aus dem 16./17. Jahrhundert. Im Grafikkatalog vermerkte der Bibliotheksdirektor: "Die Karte wurde von mir als Buchzeichen in einem St. Peterer Bande gefunden. 1943". Sie interessierte Frisch so sehr, dass er sie aus St. Peter mitnahm und mitten im Krieg einen lebhaften Briefwechsel darüber mit dem Spielkartenmuseum Altenburg in Thüringen führte.

Frisch war nach der Auflösung der Erzabtei St. Peter am 7. Jänner 1941 durch die Nationalsozialisten die Verwaltung der Klosterbibliothek übertragen worden. Er hoffte, durch die wertvollen Handschriften und Inkunabeln auf einen Bedeutungsgewinn für "seine" Bibliothek. Die wertvollsten Bestände befanden sich kurz in der Studienbibliothek, bevor sie in den folgenden Kriegsjahren im Salzbergwerk auf dem Dürrnberg (Bezirk Hallein) vor den Luftangriffen in Sicherheit gebracht wurden.

Über die Rückgaben nach dem Krieg gibt es keine schriftlichen Unterlagen, sie dürften auf dem "kurzen Weg", also mündlich vereinbart worden sein. Daher ist auch nicht dokumentiert, warum gerade diese 55 Grafiken in der Universitätsbibliothek verblieben sind, hieß es seitens der Universität. Der Festakt zur Übergabe findet am Mittwoch um 14.30 Uhr in der Bibliotheksaula in der Hofstallgasse statt. (APA, 25. 1. 2016)

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