Winzer wollen mit EU-Gütesiegel in Sekthimmel

26. Jänner 2016, 05:30
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Ab heurigen Herbst gibt es einen Sekt, der nur aus österreichischen Trauben hergestellt werden darf

Wien – Mit einer von der EU geschützten Marke, der "geschützten Ursprungsbezeichnung" (g.U.) soll das Geschäft mit österreichischem Sekt wieder stärker sprudeln. Heuer im Herbst wird es die ersten Sekte mit dem EU-Herkunftssiegel geben, kündigte Weinmarketing-Geschäftsführer Wilhelm Klinger an. "Aus einer Flut von Schaumweinen ohne Identität erhebt sich nun der österreichische Sekt mit geschützter Ursprungsbezeichnung", heißt es dazu pathetisch in einer Presseaussendung.

Das Geschäft mit österreichischem Sekt war zuletzt nicht gerade schäumend. Die Preisspirale drehte sich nach unten. Vielfach war und ist Sekt billiger zu bekommen als Stillwein, bemängelt Klinger. Das störte die Winzer logischerweise. Neben großen Firmen wie Schlumberger gibt es immer mehr kleine Anbieter, sogenannte selbst versektende Winzer, die teilweise sehr gute Qualität liefern, aber unter Preisdumping leiden. Denn die Konkurrenz – Prosecco, Frizzante und Ähnliches – sind von der Sektsteuer ausgenommen und deshalb preislich günstiger, erläutert Josef Glatt, Direktor des Weinbauverbands.

Nur ein Drittel des Sekts aus Österreich

Da will man nun mit "österreichischem Sekt g.U." Paroli bieten. Auch gegen die großen französischen Schaumweine will man antreten. "Wir wollen, dass man bei einer besonderen Gelegenheit zu österreichischem Sekt greift", sagt Klinger. Es gelte, eine "österreichische Identität" bei Schaumweinen zu schaffen. Nur ein Drittel des in Österreich konsumierten Schaumweins stammt derzeit aus Österreich. Insgesamt werden rund 22 Millionen Flaschen im Jahr geköpft.

Da ganz Österreich nicht viel größer ist als die Champagne, konnte in Brüssel die Marke "österreichischer Sekt" geschützt werden. Künftig wird also das g.U.-Gütesiegel beim Sekt eine ähnliche Funktion haben wie das DAC-Logo (Districtus Austriae Controllatus) beim Wein.

Grundwein-Zulieferer auch zufrieden

Auch die Hersteller von Grundwein, der an die großen österreichischen Sektproduzenten geliefert wird, sind zufrieden. Nicht nur dass Schlumberger das Konzept mitträgt – besonders dass nur mehr österreichische Trauben versektet werden dürfen, wenn das Gütesiegel zur Anwendung kommt, erfreut die Branche.

"Das dient zur Absicherung unseres Standorts", sagt der Weinbauer Max Riegelhofer aus Poysdorf, ein Produzent von Sekt-Grundwein. Bisher konnte man einen österreichischen Sekt auch dann so benennen, wenn er nur in Österreich hergestellt worden war, die Traube aber woanders gereift waren. (27.1.2016)

  • Sekt aus Österreich soll sich gegenüber steuerbegünstigten Perlweinen ebenso positionieren wie gegenüber teuren französischen Schaumweinen
    foto: apa / barbara gindl

    Sekt aus Österreich soll sich gegenüber steuerbegünstigten Perlweinen ebenso positionieren wie gegenüber teuren französischen Schaumweinen

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