Tarnung: Eidechsen setzen sich bevorzugt auf farblich passende Steine

1. Februar 2016, 11:53
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Britische Forscher untersuchten das Verhalten der Kykladen-Mauereidechse

Cambridge/Exeter – Um die Eidechse auf dem Bild links ausmachen zu können, muss man schon recht genau hinschauen. Und das kommt nicht von ungefähr: Britische Wissenschafter haben herausgefunden, dass sich die Tiere zum Ausrasten und Sonnen bevorzugt auf den Steinen niederlassen, die ihrer Körperfarbe am meisten entsprechen.

Kate Marshall von der Universität Cambridge und Martin Stevens von der Uni Exeter untersuchten die im Mittelmeerraum verbreitete Kykladen-Mauereidechse (Podarcis erhardii). Die schlanken Echsen werden gut 20 Zentimeter lang und sind graubraun gefärbt, ihr Rücken trägt ein individuell unterschiedliches Flecken- und Netzmuster. Allerdings ist jedes Exemplar auf sein jeweiliges Muster festgelegt, Farbwechsel wie etwa bei Chamäleons sind den Eidechsen nicht möglich.

Gefährliches Sonnenbaden

Kykladen-Mauereidechse lieben ausgiebige Sonnenbäder. Diese werfen allerdings das Problem auf, dass die Tiere dann für fliegende Räuber wie Greifvögel oder auch Krähen ein gutes Ziel abgeben. Um es den Vögeln möglichst schwer zu machen, wählen die Echsen aber offenbar unterschiedliche Untergründe.

Die britischen Forscher verglichen zahlreiche Bilder von sonnenbadenden Echsen und stellten fest, dass die unterschiedlich gefärbten Echsen unter allen verfügbaren Steinen offenbar immer diejenigen als Rastplätze aussuchen, die ihrer Färbung am besten entsprechen. Der Effekt ist offenbar besonders gut auf die Farbwahrnehmung von Vögeln abgestimmt, die nicht ganz der unseren entspricht.

Unterschied zwischen den Geschlechtern

Laut den Forschern ist es der erste bekannte Fall einer solchen Art von Tarnungsoptimierung durch Auswahl des Aufenthaltsorts. Bei Weibchen kommt dieses Verhalten übrigens stärker zum Tragen als bei Männchen: Möglicherweise stehen Letztere im Konflikt zwischen Tarnung und dem Bedürfnis, von potenziellen Paarungspartnerinnen wahrgenommen zu werden.

Und auch bei einem nicht ganz unwichtigen Punkt sind die Forscher bislang auf Vermutungen angewiesen: Sie haben zwar verschiedene Hypothesen, aber noch keine klare Antwort auf die Frage gefunden, woher die Eidechsen eigentlich wissen, welche Farbe ihr Rücken hat. (red, 1. 2. 2016)

  • Eine Mauereidechse auf farblich geschickt gewähltem Untergrund.
    foto: kate marshall

    Eine Mauereidechse auf farblich geschickt gewähltem Untergrund.

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