Indischer Aktivist erhielt Menschenrechtspreis

25. Jänner 2016, 11:43
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Amnesty International Deutschland würdigt jahrzehntelangen Kampf gegen Folter und Diskriminierung in Indien

Berlin/Neu-Delhi – Der Rechtsanwalt und Aktivist Henri Tiphagne erhält den mit 10.000 Euro dotierten Menschenrechtspreis von Amnesty International in Deutschland. Er kämpfe seit Jahrzehnten unermüdlich und mutig gegen Folter und Diskriminierung auf dem Subkontinent, erklärte Amnesty am Montag in Berlin.

Der Zeitpunkt hätte kaum besser gewählt sein können, denn die Kastenhierarchie in Indien derzeit heftig diskutiert wird. "Wir setzen uns für die Ärmsten der Armen ein", sagte Tiphagne einer Nachrichtenagentur. Die allermeisten davon seien entweder Muslime, Angehörige von Stammesvölkern oder Dalits. Diese stehen ganz am unteren Ende der Kastenhierarchie in dem überwiegend hinduistischen Land – und wurden früher als Unberührbare beschimpft.

Diskriminierung aufgrund der Kaste verfassungswidrig

Je genauer Tiphagne in seinem Heimatland Indien hinschaute, desto tiefere Abgründe taten sich auf. "Menschen, die einfach verschwanden, Unruhen zwischen Angehörigen verschiedener Religionsgemeinschaften, Gewalt gegen Frauen, Gräueltaten der Polizei, Folter", zählt der 60-Jährige auf.

In Indiens Verfassung von 1950 steht, dass niemand aufgrund seiner Kaste diskriminiert werden darf. Doch die Realität sieht oft anders aus, das machte gerade der Selbstmord eines Doktoranden an der Universität von Hyderabad deutlich. Dalit-Studenten beklagen, sie würden von Aktivitäten ausgeschlossen, müssten separat essen und wohnen. Seit mehr als einer Woche demonstrieren Menschen überall in Indien gegen die Herabsetzungen. "Leider schaut das Land erst nach seinem Tod hin", beklagt Tiphagne.

Spielraum für die Arbeit von Aktivisten werde geringer

Der 60-Jährige Tiphagne wurde in Tamil Nadu im Süden Indiens geboren und von einer französischen Ärztin adoptiert. Statt wie geplant Arzt zu werden, studierte er Jus, um den Benachteiligten und Unterdrückten in Indien vor Gericht zu helfen. Seit vier Jahrzehnten engagiert sich Tiphagne für die Menschen, die in der größten Demokratie der Welt ihre Rechte kaum wahrnehmen können.

Als Anwalt baute er die Organisation People's Watch auf, die Menschenrechtsverletzungen dokumentiert, Betroffene vor Gericht vertritt und Kinder in Schulen über ihre Rechte informiert. Tiphagne saß mehrfach im Gefängnis. Seine Organisation People's Watch werde von den Behörden drangsaliert, erklärte Amnesty. "Der Spielraum für die Arbeit von Aktivisten wird derzeit geringer", sagte Tiphagne. Jüngst ließ die Regierung dreimal die Konten seiner Organisation für 180 Tage einfrieren, so dass sie ihre Arbeit einstellen musste. (APA, 25.01.2016)

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