Nachbetrachtung zur stillen Zeit

Kolumne27. Jänner 2016, 12:09
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Am 24. Dezember ging es auf Wiens Straßen hektisch zu. Statt Schneeflocken sausten die Mittelfinger durch die Luft.

Auch wenn der Wiener sich, sagen wir einmal, gerne etwas aktiver im Straßenverkehr benimmt, so scheint dieses Phänomen an den Weihnachtsfeiertagen in die Breitenwirksamkeit zu gehen. Und so ist es wie immer der Vormittag des 24. Dezember, an dem die kollektive Hysterie ihren offensichtlichen Höhepunkt erreicht.

Zu dieser Zeit sitze ich als Beifahrer im Auto einer Freundin Richtung erster Bezirk, beide sichtlich belustigt vom etwas chaotischen Treiben, als Folgendes passiert: Wir sind linksseitig auf einer zweispurigen Fahrbahn unterwegs; die rechte bleibt den Abbiegern vorbehalten. Plötzlich prescht auf dieser rechten Spur ein SUV heran, pfeift auf die Bodenmarkierung und schneidet gnadenlos auf unsere Seite. Dank Notbremsung lässt sich eine Kollision gerade noch vermeiden. Schock.

Mittelfinger. Einfach so.

Im ersten Affekt hupt man da natürlich etwas aggressiver. Reaktion: Die fragwürdige Person lässt das Fenster runter, dreht den Kopf in unsere Richtung und zeigt uns völlig ungeniert den Mittelfinger. Einfach so. Und das zum Heiligen Abend, der doch zumindest zu friedvollerem Verhalten anregen sollte. Aber Verrohung kennt eben keinen Genierer, und womöglich fiel hier SUV und Suff nicht nur fonetisch zusammen.

Jedenfalls, der Bursche war ganz bestimmt einer von diesen "Ich hab eh noch Zeit mit den Besorgungen"-Komikern, die, man glaubt es kaum, dann doch am Zeitdruck scheitern und der Triebschaltung die weitere Handlung überlassen.

Aber Gott sei Dank, sie ist überstanden, wieder einmal! Resümierend und ganz nüchtern betrachtet, hatte Karl Valentin also nicht ganz unrecht mit seinem bissigen Kommentar: "Wenn die stille Zeit vorbei ist, dann wird es auch wieder ruhiger." (Stephan-Alexander Krenn, 25.1.2016)

  • Auch er zeigt uns völlig ungeniert den Mittelfinger. Einfach so. Und das nicht nur am Heiligen Abend.
    foto: apa

    Auch er zeigt uns völlig ungeniert den Mittelfinger. Einfach so. Und das nicht nur am Heiligen Abend.

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