Snowden enttarnt falsche "Krypto-Mail" in IS-Video

25. Jänner 2016, 09:55
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Terrororganisation hatte in Botschaft mit weiteren Angriffen gedroht

Die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) hat in einem neuen Video erneut Drohungen in Richtung Europa ausgesprochen. Hinter der Erstellung der Botschaft, in der man mit weiteren Attentaten wie in Paris droht, soll der mediale Arm der Bewegung, Al-Hayat, stecken.

Der Clip mit dem Titel "Tötet sie, wo immer ihr sie findet" beinhaltet zu Beginn auch eine kurze Stelle, an der offenbar eine PGP-verschlüsselte E-Mail zu sehen ist. Die Stelle hat teils wilde Spekulationen ausgelöst. Das Boulevardblatt "Mirror" titelte gar, sie könnte ein Hinweis auf den nächsten Angriff sein.

Verfrühte Aufregung

Doch die Aufregung ist unberechtigt, beschwichtigt nun der NSA-Whistleblower Edward Snowden via Twitter. Er hat sich einen Ausschnitt aus dem Video näher angesehen und weist auf Seltsamkeiten hin. Das Datum der Erzeugung des RSA-Schlüssels liegt drei Tage nach der Auflösung der Botschaft, die aber unmittelbar vor Beginn der Attentate am 13. November verschickt worden sein soll. Dazu wird als ID des Hauptschlüssels ein Base-16-Wert verwendet, der frei erfunden ist. Denn er enthält ein "O" und ein "H", obwohl das hexadezimale Zahlensystem nur Ziffern von 0 bis F kennt.

"Es stellt sich heraus, dass der IS Kryptographie nicht einmal ordentlich fälschen kann", kommentiert Snowden den Fund amüsiert. Journalisten rät er, entschieden nachzuhaken, sollten Gesprächspartner von staatlichen Stellen sich auf das Video berufen. In erster Linie dürfte er damit wohl Vertreter von Sicherheitsbehörden sein.

Nächste Runde der Krypto-Debatte

Sowohl von Offiziellen des FBI und der NSA gab es in der Vergangenheit mehrfach Kritik am zunehmenden Einsatz von Verschlüsselung von Kommunikation und Datenverkehr, inklusive der Forderung nach Hintertüren für Ermittlungszwecke. Eine Forderung, die auf entschiedene Gegnerschaft von Krypto-Experten und vielen IT-Firmen stößt.

Snowden selbst gilt ebenfalls als Befürworter umfassender Verschlüsselung. Seiner Annahme nach deutet der Krypto-Fake des IS darauf hin, dass die Terroristen etwaige Einschränkungen für starke Verschlüsselung im Westen als eigenen Vorteil betrachten. (gpi, 25.01.2016)

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