Starker Auftritt des Lichts im Großen Festspielhaus

25. Jänner 2016, 07:19
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Wiener Philharmoniker unter Marc Minkowski

Salzburg – "Ich harrete auf den Herrn und er neigte sich zu mir und hörte mein Flehen ..." Beinahe wollte man es glauben – Flüchtlingsleid hin, Demokratiekrisen her – so engelsgleich erklang das Sopranduett. Im ersten der drei Konzerte der Wiener Philharmoniker bei der Mozartwoche im Großen Festspielhaus stand Mendelssohn auf dem Programm: Lobgesang. Eine Sinfonie-Kantate nach den Worten der Heiligen Schrift für Solostimmen, gemischten Chor und Orchester (Symphonie 2) op. 52.

Schon in der Sinfonia gab es packende Momente. Marc Minkowski hat besonders die Übergänge spannungsvoll zelebriert, wie etwa vom triumphalen Posaunenpathos des Maestoso zum kammermusikalisch grundierten Klarinettensolo. Die Philharmoniker, besonders die Bläser, spielten, wie es sich gehört. Traumhaft. Glanzlichter brachten dennoch die Vokalisten: der Salzburger Bachchor, die Sopranistinnen Genia Kühmeier und Anna Devin, der Tenor Richard Croft.

Minkowski blieb bei seinem forschen Grundtempo und machte auch in der Lautstärke wenig Zugeständnisse. Gleichzeitig ermöglichte er Chor und Solisten ein unangestrengtes Gestalten. Genia Kühmeier faszinierte mit überwältigender Klangfülle bei duftiger Leichtigkeit und technischer Souveränität in allen Lagen. Richard Croft verband Ausdrucks- und Klangkraft mit deklamatorischer Eleganz. Von der Dramatik einer Opernszene: die bange Frage des Tenors an die Finsternis "Hüter, ist die Nacht bald hin?" und die triumphierende Antwort des Soprans "Die Nacht ist vergangen." Eine Passage mit Gänsehaut-Garantie.

Von gebührender, aber nicht weiter überraschender klangrednerischer Qualität war die Wiedergabe von Mozarts "Großer" g-Moll Symphonie KV 550.

Einer der Schwerpunkte der Mozartwoche 2016 gilt (neben Mozart und Dutilleux) Felix Mendelssohn-Bartholdy. Dazu gehören weitere Vokalwerke wie das Oratorium Elias mit der Camerata Salzburg (Leitung: Pablo Heras-Casado) oder die Psalmvertonung Wie der Hirsch schreit. (Heidemarie Klabacher, 25.1.2016)

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