Wenn Gesellschafter gratis arbeiten

26. Jänner 2016, 14:14
2 Postings

Immer öfter werden bei Start-up-Gründungen Gesellschaftsanteile über unentgeltliche Leistungen erworben

Wien – Bei der Gründung von Unternehmen kommt es immer öfter vor, dass neben den Finanzinvestoren, die die Einlage ausschließlich in bar leisten, Gesellschafter sich zur Erbringung von unentgeltlichen (Arbeits-)Leistungen verpflichten. Die Zufuhr zum Stammkapital erfolgt in Cash, zusätzlich ist eine Arbeitsleistung – gleichsam als Agio – zur Erlangung von Unternehmensanteilen zu erbringen.

Oft sind es IT-Dienstleister (Programmierer), Grafikdesigner, Werbefirmen, Rechtsanwälte, Steuerberater, sonstige Berater für Finanzierungen oder Kontaktvermittlung, die ihre Leistungen unentgeltlich als Gesellschafter zur Verfügung stellen. Dies wird als "Sweat Money / Equity for Work" bezeichnet.

Erbringt ein Gesellschafter Gratisleistungen anstelle eines Agios, stellt sich die Frage, wie sein geldwerter Vorteil, also der Erhalt der Anteile, auf seiner Ebene und auf der Ebene der Gesellschaft steuerlich zu behandeln ist.

Keine steuerliche Auswirkung

Beim Gesellschafter führen bar einbezahlte Einlagen und die Einlage von Sachen (Grundstücke, Lizenzen etc.) zu nachträglichen Anschaffungskosten und erhöhen somit den (bilanziellen) Wert der Beteiligung. Bei der empfangenden Gesellschaft liegt in diesem Fall eine steuerneutrale, eigenkapitalerhöhende Einlage vor.

Erfolgt keine Sacheinlage von Wirtschaftsgütern durch den Gesellschafter, sondern überlässt er der Gesellschaft Nutzungen oder Leistungen, die nicht oder nicht fremdüblich vergütet werden, liegt eine sogenannte Nutzungseinlage vor. Dazu kommt es etwa, wenn der Gesellschafter Dienstleistungen an die Gesellschaft kostenlos oder gegen unangemessen niedriges Entgelt erbringt.

Der Verwaltungsgerichtshof hat im Erkenntnis vom 6. 7. 2011, 2008/13/0234 zur unentgeltlichen Geschäftsführung bei einer Kapitalgesellschaft seine ablehnende Haltung zur steuerlichen Erfassung von Nutzungseinlagen durchblicken lassen.

Aus dieser Rechtsprechung kann indirekt geschlossen werden, dass der VwGH generell Nutzungseinlagen keine steuerliche Wirkung zuerkennt. Auch die Körperschaftsteuerrichtlinien des Finanzministeriums vertreten dazu die gleiche Meinung: Demnach kommt dem Nutzungsvorteil nicht die Eigenschaft eines einlagefähigen Wirtschaftsgutes zu.

Somit sind Einlagen in Form von unentgeltlich oder verbilligt geleisteten Nutzungen auf Ebene der Körperschaft weder bilanziell als Aktivum anzusetzen, noch als Betriebsausgaben in Höhe der ersparten Aufwendungen zu berücksichtigen. Vice versa liegen beim Einlegenden auch keine fiktiven Betriebseinnahmen vor.

Die obigen Ausführungen und somit die Annahme einer ertragssteuerlich unbeachtlichen Nutzungseinlage sollten auch für das Sweat Money / Equity anwendbar sein. Allerdings ist diese Frage nicht endgültig geklärt.

Auch wenn die Wirtschaftsentwicklung in Österreich nach Einschätzung mancher als abgesandelt bezeichnet werden muss, boomt zumindest der Start-up-Bereich, der einen enorm positiven volkswirtschaftlichen Effekt hat. Deshalb wäre es wünschenswert, dass das Finanzministerium die steuerlichen Rechtsfragen, die mit dem Start-up-Bereich verbunden sind, möglichst einfach und unternehmensfreundlich beurteilt und regelt.

Dazu gehört auch "Sweat Money / Equity". Seine explizite Aufnahme in den Regelungsbereich der steuerfreien Nutzungseinlagen in die Einkommensteuer- und Körperschaftssteuerrichtlinien wäre daher für alle Anwender wünschenswert.

Kein Eigenkapital

Weiter stellt sich die Frage, ob der Gratiserhalt von Arbeitsleistungen auf Ebene der empfangenden Gesellschaft im Eigenkapital ausgewiesen werden kann.

Bareinlagen und mit dem Verkehrswert bewertete Sacheinlagen können als Eigenkapital dargestellt werden. Wie bereits vorab dargestellt, ist "Sweat Money" als Nutzungseinlage zu qualifizieren. Einem Nutzungsvorteil kommt aber nicht die Eigenschaft eines einlagefähigen Wirtschaftsguts zu. In weiterer Folge ist somit mangels Einlagefähigkeit auch keine Einordnung in einen Eigenkapitalposten – weder als Nennkapital noch als Kapitalrücklage – auf Ebene der empfangenden Gesellschaft möglich. (David Gloser, Barbara Hölzl, 25.1.2016)

Mag. David Gloser ist Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Partner von Ecovis Austria, Mag. Barbara Hölzl ist Steuerberaterin derselben Gesellschaft. david.gloser@ecovis.at

  • Für den Erwerb von Gesellschaftsanteilen kann man auch schwitzen statt zahlen, etwa durch entgeltfreie Beraterleistungen. Das spart dem Unternehmen in der Gründungsphase Geld.
    foto: apa / barbara gindl

    Für den Erwerb von Gesellschaftsanteilen kann man auch schwitzen statt zahlen, etwa durch entgeltfreie Beraterleistungen. Das spart dem Unternehmen in der Gründungsphase Geld.

Share if you care.