Davos: Was die Elite heuer beschäftigte

Analyse24. Jänner 2016, 12:13
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Flüchtlinge, Brexit, Trump: Unternehmer und Politiker waren sich über positive und negative Seiten nicht immer einig

Das Weltwirtschaftsforum in Davos ist zu Beginn eines jeden Jahres ein Seismograph für die Stimmungslage in Politik und Wirtschaft: Heuer herrschte gedämpfter Optimismus, was überraschen mag, wenn man sich die Fülle an schlechten Nachrichten anschaut: Von den Turbulenzen an den Börsen über die Entwicklungen im Nahen Osten bis zum anhaltenden Flüchtlingsstrom. Es war vor allem US-Außenminister John Kerry, der in seiner Tour d'horizon auf viele positive Entwicklungen hinwies: Das Atomabkommen mit dem Iran und die Pariser Klimaschutzvereinbarung waren einige der genannten Beispiele.

Er hob hervor, dass im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) Fortschritte erzielt werden – eine Einschätzung, die der Regierungschef aus dem Irak und andere Teilnehmer aus arabischen Staaten bestätigten. Das Thema Flüchtlinge war ein dominierendes beim heurigen Forum, wobei die Einschätzung zwischen Vertretern aus Politik und Wirtschaft auseinanderklafften: Während die Politiker fast ausschließlich über die Schwierigkeiten in diesem Zusammenhang sprachen, sahen die Teilnehmer aus Wirtschaft und internationaler Organisationen eher die positiven Effekte auf die Konjunktur.

Brexit statt Grexit

Apropos Konjunktur: Nachdem in den vergangenen Jahren die Eurokrise die Diskussionen in Davos beherrscht hatte und "Grexit", der mögliche Austritt Griechenlands aus der Währungsunion, eines der am häufigsten gebrauchten Wörter war, kamen heuer die Entwicklungen fast nicht mehr vor. "Europas Wirtschaft ist definitiv in einem besseren Zustand als vor einem Jahr", lautete die Begründung der Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, beim abschließenden Wirtschaftsausblick. Allerdings wurde über einen "Brexit", einen möglichen Austritt Großbritanniens, aus der EU diskutiert.

Diesmal war China omnipräsent, dessen abflauendes Wachstum neben dem Ölpreis Anlass zur Sorge für die globale Konjunkturentwicklung ist. Ein weiteres Wort kam auch nicht mehr vor: Brics, der Zusammenschluss der Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Diese Schwellenländer waren in den vergangenen fünf Jahren die Lokomotive für die Weltwirtschaft. Die Staatengruppe bricht auseinender. Während Indien heuer ein Wachstum von 7,5 Prozent erwartet, befinden sich Brasilien und Russland in der Rezession.

Schweizer Höhenrausch

Anlass zu Depression wäre nach Ansicht vor allem der amerikanischen Teilnehmer ein Sieg von Donald Trump bei den US-Präsidentschaftswahlen im November. Trump war das Thema auf allen Gängen. In Zusammenhang mit dem republikanischen Bewerber lieferte der Investor George Soros den wohl am meisten wiedergegebenen Spruch in Davos: "Trump erledigt die Arbeit des IS", befand er, denn beide würden Angst und Schrecken verbreiten.

Für ein gewisses Schmunzeln sorgte eine ganz andere Meldung: Zwölf Schweizer Soldaten, die eigentlich die Forumsteilnehmer schützen sollten, wurden beim Kiffen und Koksen erwischt. Der Höhenrausch in der laut Eigenwerbung mit 1560 Metern "höchstgelegenen Stadt in den Alpen" reichte ihnen offenkundig bei ihrem Einsatz nicht aus. (Alexandra Föderl-Schmid, 24.1.2016)

  • Aufgebracht und nachdenklich: Nato-General Jens Stoltenberg und US-Verteidigungsminister Ashton Carter.
    foto: apa afp coffrini

    Aufgebracht und nachdenklich: Nato-General Jens Stoltenberg und US-Verteidigungsminister Ashton Carter.

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