Geht hin in Frieden! "Pröll mit Mord bedroht"

23. Jänner 2016, 14:23
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Es spricht für den Tatendrang des hiesigen Staatsschutzes, dass er sofort mutig einschritt

Zwei Nachrichten, wie sie deprimierender nicht sein könnten, ließen diese Woche den Asylgipfel der Landeshauptleute, aufgefettet mit Regierungsmitgliedern, als geradezu heitere Veranstaltung erscheinen. Desirée Treichl-Stürgkh, landesweit bekannt für ein tadelloses Gebiss und die Abwicklung des Opernballs, schmeißt den Fächer & gibt ihren Rücktritt bekannt ("Kurier"). Da hatte der ephemere Präsidentschaftskandidat der ÖVP mehr zu bieten, wie vor allem die "Kronen Zeitung" meldete. "Schneller Tod!" Pröll mit Mord bedroht.

Zur Beruhigung: Er lebt und hat auch den Fächer nicht geschmissen. Allerdings musste er sich für die "Krone" stark anstrengen, geschockt zu sein, ist doch dem Bericht von einer Drohung nicht das Geringste zu entnehmen. "Ich wünsche dir einen schnellen, schönen Tod!" soll in dem Brief eines vermeintlichen Schulfreundes gestanden sein, und zutiefst persönlich: "Gehe hin in Frieden – deine Eltern sind schon vorangegangen..."

Wer wünscht sich nicht einen schnellen, schönen Tod? Frommer kann ein Wunsch gar nicht sein, umso mehr als ihm kein Erfüllungsdatum beigefügt war. Das Gefühl der Bedrohung, das Pröll sich an sein Leibblatt wenden ließ, könnte von anderswo herrühren. Beigefügt war ein Pröll-kritischer "Presse"-Kommentar der bekannten Journalistin Anneliese Rohrer ("Erwin, der Verführer"), die von einer Internet-Jagdgesellschaft, die eine Gerüchtekampagne gegen Niederösterreichs Landesfürst führt, gerne zitiert wird.

Es spricht für den Tatendrang des hiesigen Staatsschutzes, dass er sofort mutig einschritt. Aber nicht etwa gegen die bekannte Journalistin oder die Internet-Jagdgesellschaft, die eine Gerüchtekampagne gegen Niederösterreichs Landesfürst führt – wer weiß, was er da Bedrohliches hätte zutage fördern können. Nein, Ermittler des Staatsschutzes forschten den Hassschreiber, ein Pensionist aus dem Großraum Linz, aus – Anklage wegen gefährlicher Drohung. Eine solche ging zwar aus dem Bericht der "Krone" ebensowenig hervor wie Hass, und wünschen wird man doch noch etwas dürfen. Man kann die Einsatzbereitschaft der Ermittler des Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) aber nicht hoch genug loben, konnten sie doch den Brief rasch bis zu einem Postamt in Oberösterreich zurückverfolgen. Der Hassschreiber war extra 50 Kilometer weit von seinem Wohnort angereist, um die Spuren zu verwischen. Bei den Spürnasen vom LVT natürlich vergeblich. Bei soviel Einsatzbereitschaft konnte es gar nicht anders sein: Der mächtige VP-Politiker wird sich "aber sicher nicht einschüchtern lassen". Um sicherzugehen, bohrte die "Krone" nach. Herr Landeshauptmann, wie geht es Ihnen nach dem Schock? Darauf der Schockierte: Das ist sehr, sehr bedenklich und macht zu Recht betroffen... Ich werde aber weiterhin sagen, was ich denke, und tun, was ich sage.

Das klingt bedrohlich. Aber nur "der Verdächtige ist geständig und wurde wegen gefährlicher Drohung angezeigt". Die Vermeintlichkeit des Schulfreundes konnte weder von der "Krone" noch vom Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung geklärt werden.

Der Schock darüber, dass "Ballmutti" Treichl geht ("Heute") schlug sich in den Medien der österreichischen Natur gemäß etwas stärker nieder als der Pensionistenanschlag auf den Landeshauptmann. "Kurier"-Leser im Opernballfieber hatte Desi noch raffiniert sediert. Sonntag im "Kurier" -Talk erzählt sie von der rührenden Geschichte ihrer Eltern, die sich am ersten Opernball (1956) verlobten, und über ihre Ambitionen, das Society-Event auch in Zukunft auszurichten. Und auf die Frage Wird dieser Ball ihr letzter sein? speiste sie die Talkerin delphisch ab. Meine Antwort jedes Jahr: Solange es mir Spaß macht und mir was einfällt, mache ich es.

Bekannte sie sich da noch als "emotional aufmunitioniert", gestand sie zwei Tage später Munitionsmangel ein. Dabei hat sie, wie "Die Presse" der APA entnahm, ihre Entscheidung – dürfte keine leichte gewesen sein - schon im Sommer getroffen. Über das Timing der Bekanntgabe könnte man freilich diskutieren, meldete das Blatt milde Kritik an. Denn natürlich ist Treichl-Stürgkhs Abgang nun das Thema, das das Programm zum 60. Balljubiläum in den Schatten stellt.

In diesem Schattenreich wird nun um die Nachfolge intrigiert. Im Zeitalter des Genderns könnte es ja auch ein Mann sein. Beim Lifeball ging es ja auch. (Günter Traxler, 23.1.2016)

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