Dschungelcamp & Co: Dürfen Kinder das sehen?

22. Jänner 2016, 16:47
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Ekel- und Castingshows sind mediale Realität und Schulhofthema. Eltern sollten sie nicht unbedingt verbieten – aber eine begründete Haltung dazu entwickeln

Vor den Casting- und Ekelshows auf vielen Fernsehkanälen gibt es kein Entkommen – auch wenn man sie nicht aktiv verfolgt. Es bewegt viele Gemüter, wenn sogenannte Prominente Ekeltests durchlaufen, Ungeziefer verspeisen und im Schleim baden; oder wenn sich junge Frauen in der Hoffnung auf eine Modelkarriere sinnfreien Härtetests unterziehen. Die Sendungen bedienen sich drastischer Mittel, um bei der Zielgruppe Emotionen zu wecken – und um Gesprächsstoff zu liefern. Der Suchtfaktor ist groß. Wie sollten Eltern also reagieren, wenn ihre Kinder sich derartige Sendungen ansehen wollen?

Begründete Haltung gefragt

Die Medienexpertin Kristin Langer von der deutschen Initiative "Schau hin! Was Dein Kind mit Medien macht", die vom Familienministerium und dem deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen betrieben wird, rät nicht zum Verbot. "Am besten fragen Eltern erstmal ihr Kind, warum es die Sendung unbedingt sehen möchte. Dann können sie die Hintergründe besser einschätzen und daraus eine begründete Haltung entwickeln". Es sei wichtig, dass Eltern die Faszination des Nachwuchses für derartige Sendungen verstehen. Nur dann lässt sich ernsthaft ins Gespräch kommen. Wer nach den Motiven fragt, merkt schnell, ob es um reinen Zeitvertreib geht, um Belustigung oder doch um die Akzeptanz im Freundeskreis.

Sozialer Druck

"Je älter Kinder werden, umso größer sind der soziale Druck und damit der Wunsch, die Sendung sehen zu dürfen", so die Initiative. Hält dieser Druck an, sollten Eltern zumindest einige Folgen zusammen mit dem Kind schauen. So können sie mit ihrem Kind darüber sprechen. Dabei sind Sendungen wie das "Dschungelcamp" formal gar nicht für Zuschauer unter 16 Jahren zugelassen. Das zeigt schon die Sendezeit nach 22 Uhr. Topmodel-Castingshows oder Sendungen wie "Der Bachelor" sind für ein Publikum ab 12 Jahren gedacht. In Zeiten von On-Demand-Fernsehen, Youtube und Smartphone ist die Sendezeit für den Konsum freilich nur begrenzt relevant.

Emotionale Bindung

Gerade Kinder durchschauen die emotionale Inszenierung im Trash-TV und das damit verbundene klischeehafte Menschen- und Rollenbild oft nicht. Eltern sollten sie darauf aufmerksam machen, dass die Dramaturgie der Sendungen und die hämischen Kommentare aus dem Off Emotionen wecken sollen. Denn ein Grund für den Erfolg vieler TV-Formate ist erst die enge Bindung des Publikums an die Protagonisten. Dazu dienen vor allem "Second Screen"-Angebote wie Fanseiten oder Profile der Darsteller auf Facebook, Twitter und Instagram. Gewinnspiele, etwa verbunden mit dem Aufruf, Selfies öffentlich unter einem Hashtag zu posten, animieren zudem zur Preisgabe privater Daten.

Crossmediale Vermarktung besprechen

"Die Plattformen der Sendungen enthalten oft beleidigende Kommentare, werden nicht moderiert, bergen Kontakt- sowie Konfrontationsrisiken und sind daher für Heranwachsende ungeeignet", so die Initiative. "Am besten achten Eltern auf die Altersfreigaben der Dienste, informieren sich über Risiken, klären ihre Kinder darüber auf und vereinbaren Chatregeln, etwa Störer zu melden und zu blockieren. Zudem ist die Anmeldung bei bestimmten Diensten oder die Teilnahme an Gewinnspielen vorher zu besprechen", rät Langer.

Und: "Eltern können jüngeren Kindern Alternativen im Kinderprogramm empfehlen, in denen Gleichaltrige die Hauptakteure sind", so eine weitere Expertenempfehlung. Ein Beispiel sei die Sendung "Dein Song" mit jungen Songwritern, die ab 22. Februar 2016 im Kika zu sehen ist. (red, 22.1.2016)

  • Kinder durchschauen die emotionale Inszenierung im Trash-TV und das damit verbundene klischeehafte Menschen- und Rollenbild oft nicht.
    foto: apa

    Kinder durchschauen die emotionale Inszenierung im Trash-TV und das damit verbundene klischeehafte Menschen- und Rollenbild oft nicht.

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