Vorarlberg: Wertekurse starten im Februar

22. Jänner 2016, 19:18
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Wertekurse sollen Asylberechtigten Chancen und Regeln für das Leben in Österreich vermitteln. Sie starten im Februar in Vorarlberg.

Bregenz – Ab Februar starten die ersten Werte- und Orientierungskurse für Flüchtlinge in Vorarlberg. Dann würden sie bundesweit, außer in Wien, vom Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) ausgerollt. Das kündigte Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP), der am Freitag schnell einen Abstecher von Davos nach Vorarlberg machte, in Bregenz an. Fünf Millionen Euro werden bundesweit in die Wertevermittlung investiert.

Wer nicht in den Kurs geht, muss mit Sanktionen rechnen, drohte Landeshauptmann Markus Wallner (VP). Als Strafe kann sich der Hardliner in Sachen Asylpolitik eine Kürzung der Mindestsicherung vorstellen. Eine theoretische Ansage. Denn bei monatlich zwei Kursen mit 15 bis 20 Teilnehmenden wird es eher darum gehen, überhaupt einen Kursplatz zu bekommen.

In Vorarlberg leben aktuell 3502 Asylwerbende. 800 Menschen haben das Bleiberecht, für sie und alle künftigen Asylberechtigten ist das Kursangebot gedacht. Geht man davon aus, dass Ende 2016 rund 2000 Menschen asylberechtigt sind, dauert es fünf Jahre, bis alle den Kurs absolviert haben.

Verfassung und Alltag

Die Lernunterlage "Mein Leben in Österreich", Untertitel "Chancen und Regeln" wird in Kürze erhältlich sein. In vier Sprachen (Deutsch, Englisch, Arabisch und Farsi, Dari) werden Grundzüge der österreichischen Verfassung und Umgangsformen vermittelt.

Folgende Prinzipien sind laut Lernunterlage in Österreich "besonders wichtig und nicht zu verhandeln": Frieden erhalten. Grund- und Menschenrechte einhalten. Demokratische und rechtsstaatliche Strukturen beibehalten und die Verfassung und Gesetze einhalten. Zu politischer und wirtschaftlicher Stabilität beitragen. Bildungs-, Gesundheits- und Sozialsystem erhalten. Mit den natürlichen Ressourcen und der Natur sorgfältig umgehen.

Die Kursteilnehmenden werden über Recht und Pflicht zu Bildung und Arbeit informiert, über Gleichbehandlung der Geschlechter, Ethnien und Religionen. Sie erfahren, dass man sich in Österreich die Hand gibt, dabei in die Augen schaut, seine Nachbarn grüßt, keinen Lärm macht und keinen Müll liegen lässt.

Ausgebildet werden sie von Kursleiterinnen und -leitern, die vom Österreichischen Integrationsfonds ausgesucht werden. Auswahlkriterien sind Erfahrung in Training, Erwachsenenbildung und "wenn möglich Flüchtlingsarbeit".

Die Orientierungskurse sind Teil des 50-Punkte-Expertenprogrammes, das Integrationsminister Kurz erarbeiten ließ. Für die Umsetzung des Programmes hat die Regierung laut Kurz 75 Millionen Euro zugesagt. Umgesetzt wurde bisher, sagte er Minister, der Ausbau der Sprachkurs-Programms und die Einführung von Kompetenzchecks. Das neue Anerkennungsgesetz, derzeit in Begutachtung, gehe ebenfalls auf das Expertenprogramm zurück.

Zu wenig Sprachkurse

Vorarlberg habe man sich als Start für die Wertekurse ausgesucht, weil hier die Durchführung der Sprachkurse so gut funktioniere, lobt Kurz: "Hier ist es nie zu Wartezeiten gekommen." Realität ist, dass es in Vorarlberg im Sommer 2015 keine Sprachkurse gab und längst nicht alle, die einen Kursplatz möchten, auch einen bekommen.

Die Caritas, als Anbieter für Asylsuchende in der Grundversorgung, sah sich außerstande, die große Nachfrage logistisch und finanziell zu decken, sagt Bernd Klisch, Leiter der Flüchtlingshilfe. Klisch hält nichts von der politischen Diskussion über Sanktionen. Dadurch würde eine Unwilligkeit der Asylwerber, die Sprache zu lernen vermittelt. Klisch: "Genau das Gegenteil ist der Fall, Asylwerber wollen unbedingt und gleich nach der Ankunft beginnen, die Sprache zu erlernen."

Asylberechtigte können unter zwölf Kursanbietern wählen. Wie viele von ihnen im Vorjahr in Deutsch unterrichtet wurden, ist im Landhaus nicht bekannt. Für 2016 sei man gut vorbereitet, sagt Integrationszuständige Carmen Nardelli. Im Frühjahr stünden 2550 Kursplätze zur Verfügung. Womit Deutschkurse ganz allgemein, auch jene für EU-Bürger und Drittstaatsangehörige gemeint sind. Speziell für Flüchtlinge, kritisiert Daniel Zadra, Asylsprecher der Grünen, stünden im besten Fall 420 Plätze zur Verfügung. Zadra: "Das reicht vorne und hinten nicht." (Jutta Berger, 22.1.2016)

  • Landeshauptmann Wallner (links) und Minister Kurz vermitteln Werte.
    foto: jutta berger

    Landeshauptmann Wallner (links) und Minister Kurz vermitteln Werte.

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