Kunstauktionen: Rekordsummen und andere Spiele

22. Jänner 2016, 16:29
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Ob 2015 für die Auktionsgiganten auch wirtschaftlich ein Jahr des Superlativs war, bleibt zum Teil ungewiss. Gesichert sind vereinzelte, wenngleich beeindruckende Wertsteigerungen

Bevor in London nun die Rekordmaschinerie des Kunstmarktes angeworfen wird, lohnt ein Rückblick auf das abgelaufene Geschäftsjahr. Gemessen an den erzielten Spitzenwerten, muss es eine Saison des Superlativs gewesen sein. Via New York wechselten drei Kunstwerke jenseits der 140-Millionen-Dollar-Marke über Versteigerungen den Besitzer: Pablo Picassos legendäres Motiv "Les femmes d'Alger (179,36 Mio.), Alberto Giacomettis Skulptur L'homme au doigt (141,28 Mio.) und Amedeo Modiglianis Nu couché (170,4 Mio.) nicht zu vergessen, das der neue Besitzer laut eigenen Angaben nun über einen Kredit abstottert. Dieses Trio steht nicht nur an der Spitze der weltweiten Top-zehn-Liste 2015, sondern sicherte sich auch einen Eintrag in die Skala der höchsten Auktionszuschläge überhaupt und repräsentiert den jeweiligen Rekordwert für ein Werk des Künstlers. Letzteres gilt übrigens für sieben der zehn Platzierungen des Jahres (siehe Tabelle). Nicht in dieses Ranking schaffte es der höchste in London erzielte Wert mit 30,38 Millionen Pfund (Sotheby's: Gerhard Richter, Abstraktes Bild) (1986).

Hinter den Kulissen

Im Spitzenfeld wurden jedoch Wertsteigerungen offenbar, die in der Höhe doch überraschen: 1997 hatte der aktuelle Verkäufer von Picassos Weibern von Algier 31,9 Millionen Dollar für das Gemälde bezahlt, für das bei Christie's nun 179,36 Millionen bewilligt wurden. Bei Cy Twomblys Werk aus der Blackboard-Serie repräsentieren die im November bei Sotheby's lukrierten 70,53 Millionen Dollar einen Zuwachs von 1700 Prozent gegenüber dem Ankaufswert von 1990.

Ob sich diese Einzelerfolge in Summe auch in den Bilanzen der Auktionsgiganten spiegeln werden, erfährt die Öffentlichkeit in den nächsten Stunden bzw. Tagen. Bei Sotheby's – so viel stand zu Redaktionsschluss fest – summierten sich allein die Umsätze aus Versteigerungen auf 5,98 Milliarden Dollar (2014:5,99 Mrd.).

Der detaillierte Abgleich mit dem von Christie's Anfang kommender Woche verlautbarten Zahlenfutter, das wohl auch Einblick in den Geschäftszweig der hinter den Kulissen abgewickelten Private Sales geben sollte, wird allerdings nichts über die tatsächlich erzielten Gewinne aussagen. Denn nur das börsenotierte Unternehmen Sotheby's muss diesen Einblick gewähren.

Der zum Imperium des französischen Milliardärs Pinault gehörende und damit "privat" geführte Kontrahent Christie's hüllt sich dahingehend seit Jahrzehnten in Schweigen. Auch über die Umstände eines im Mai vermeintlich erzielten Top-Ergebnisses für ein Bild Jean-Michel Basquiats übrigens: der für The Field next to the other Road offiziell erteilte Zuschlag lag bei 37,1 Millionen Dollar. Als Einbringer outete The Art Newspaper jüngst den New Yorker Galeristen Tony Shafrazi, und auch, dass selbiger noch immer Eigentümer des Gemäldes sei, das als Pfand für einen von Christie's gewährten Kredit fungiert habe.

Auf Nachfrage blieb das Auktionshaus dabei, das Bild wurde versteigert. Derweilen steht Shafrazi wegen Mietschulden in der Höhe von etwa einer Million Dollar vor Gericht und listet das Basquiat-Auktionsresultat ohne tatsächlichen Verkaufsvorgang weiterhin in der Christie's-Umsatzbilanz und in den Kunstpreisdatenbanken sowieso. (Olga Kronsteiner, Album, 22.1.2016)

  • 1997 bezahlte ein Sammler 31,9 Millionen Dollar für Picassos "Les femmes d'Alger" und durfte sich 2015 als Verkäufer eines satten Gewinns erfreuen, als das Gemälde 179,36 Millionen erzielte.
    foto: christie’s/2015 estate of pablo picasso/ars

    1997 bezahlte ein Sammler 31,9 Millionen Dollar für Picassos "Les femmes d'Alger" und durfte sich 2015 als Verkäufer eines satten Gewinns erfreuen, als das Gemälde 179,36 Millionen erzielte.


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