Bauern fordern von Regierung forcierteren Klimaschutz

23. Jänner 2016, 09:00
103 Postings

Zusammen mit den Sozialpartnern wollen die Landwirte Vorschläge erarbeiten, wie Österreich das Pariser Klimaabkommen umsetzen kann

Wien – Die Sozialpartner werden in den nächsten Wochen der Regierung ein Papier vorlegen, wie Österreich nun nach der Klimakonferenz von Paris tätig werden muss, sagt Hermann Schultes, Landwirtschaftskammerpräsident. Schließlich müsse "die Welt der fossilen Rohstoffe Schritt um Schritt verlassen" werden. Dies gehe natürlich nicht von heute auf morgen. Es bedürfe vieler unterschiedlicher Schritte und Initiativen, damit Öl ersetzt werden kann. "Wir verlangen da einen verbindlichen Arbeitsplan von der Regierung mit verbindlichen Etappenzielen."

Schultes will schnellstens den Schutz "innovativer Projekte", wie er es nennt: Kesselindustrie, Photovoltaik, Wärmesysteme. Denn diese Anbieter rund um Alternativenergien stünden aufgrund des niedrigen Ölpreises mit dem Rücken zur Wand. "Da muss es Maßnahmen der Bundesregierung geben", sagt der Landwirtschaftskammerpräsident, sonst käme es da zu einem Firmensterben und damit gingen viele innovative Lösungen verloren, die in Österreich in den letzten Jahren gestartet wurden. Die Sozialpartner wollen dazu ein Papier erarbeiten, wie rasch Signale gesetzt werden könnten. Die Anbieter von Umweltlösungen hätten sehr oft nicht den finanziellen Atem, um die aktuelle Niedrigpreisphase beim Öl durchzutauchen.

Klassenprimus bei Treibhausgasen

Was die Landwirtschaft im Zuge des Klimawandels betrifft, sieht sich die Branche als Klassenprimus. Die von der Agrarwirtschaft verursachten Treibhausgase konnten zwischen 1990 bis 2013 um 17 Prozent reduziert werden. Im Vergleich: im Verkehrsbereich gab es in dem Zeitraum eine Steigerung um 61 Prozent.

Der Bauernvertreter führt dies auf "umweltgerechte Bewirtschaftung" zurück. So kommt es zu mehr "Direktaussaat": Dabei werden die Pflanzenreste am Boden belassen, nicht mehr umgeackert und nur mehr in eine schmale Furche ausgesät. Dies erhöht den Humus-Gehalt der Böden. Auch die Forstwirtschaft verzeichnet einen Zuwachs.

Weniger Treibhausgase von der Kuh

Was die Tierproduktion betrifft, so sei man Österreich, sagt Schultes, klimaeffizenter als beispielsweise in Brasilien oder anderen europäischen Staaten. Der österreichische Landwirt verursacht 14 Kilogramm Treibhausgas-Emissionen je Kilogramm Rindfleisch. Der EU-Schnitt liegt bei 22 Kilogramm und in Brasilien liegt der Wert gar bei 80 Kilogramm Kohlendioxid (CO2).

Dies wird, bestätigt der Klimatologe Herbert Formayer von der Universität für Bodenkultur, dadurch erreicht, weil es viel Almhaltung gibt und das Gras von den Almen sowie frischer Grünschnitt verwendet wird. Die Umwandlung von dem besonders klimaschädlichen Treibhausgas Methan im Magen der Kuh sei dabei nicht so ausgeprägt wie bei einem Tier, das mit alten, ausgedörrten Gräsern und Stroh aufgezogen wird. So sei auch die Milchproduktion in Österreich emissionsärmer als anderswo: Für ein Liter Milch fällt ein Kilogramm CO2 an, in der EU liegt der Durchschnitt bei 1,5 Kilogramm. (ruz, 23.1.2016)

  • Die Kuh gilt vor allem wegen dem Methan bei der Gras-Verdauung als Klimakiller. Mit Almhaltung und Frischfutter kommt es zu weniger von dem schädlichen Klimagas.
    foto: apa/stiplovsek

    Die Kuh gilt vor allem wegen dem Methan bei der Gras-Verdauung als Klimakiller. Mit Almhaltung und Frischfutter kommt es zu weniger von dem schädlichen Klimagas.

Share if you care.