Jetzt sollen schon die Milliardäre Steuern zahlen!

Kolumne22. Jänner 2016, 17:00
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Es droht eine neue Neiddebatte

Wie immer gab es auch in dieser Woche gute und schlechte Nachrichten. Die gute Nachricht ist die, dass es nicht noch mehr schlechte Nachrichten gab. Die schlechte Nachricht: Die 62 reichsten Menschen der Welt besitzen die Hälfte des globalen Gesamtvermögens.

Im Umkehrschluss heißt das, dass die 7.391.068.038 Individuen umfassende Restbagage nicht weniger als die ganze (!) andere Welthälfte ihr Eigen nennt. Ein veritabler Skandal, ein Exzess an Ungleichheit! Wie sollte es gerecht sein, wenn ein paar Milliarden Vollkoffer, die von Computertechnologie nur Bahnhof verstehen, zusammen gleich viel verdienen wie Bill Gates?

Natürlich hat diese Nachricht sogleich eine Menge Neidhammeln mit unverschämten Ideen auf den Plan gerufen. Manche fordern sogar, dass Milliardäre Steuern zahlen sollen! Dabei stünde dem Tüchtigen die Welt offen. Wer bis zum Jahr 4233 brav durcharbeitet, kann damit rechnen, gleich viel Geld in der Tasche zu haben wie die Gebrüder Albrecht (Deutschland) oder die Gebrüder Koch (USA).

Allerdings ist es leider so, dass durch den rasanten technologischen Fortschritt immer mehr Jobs flöten gehen. Roboter übernehmen die Jobs von Verfassungsrichtern, Haubenköchen, Flickschustern und natürlich auch von Politikern, wobei es kein echter Nachteil wäre, würden wir H.-C. Strache durch R2-D2 ersetzen. Was den Bundeskanzler betrifft, so hege ich den Verdacht, dass er schon lange gegen ein elektronisches Duplikat ausgetauscht wurde. Aussehensmäßig haben sie ihn gut hinbekommen, nur seine Intonation wirkt noch recht unnatürlich.

Umwälzungen auch im Niedriglohnbereich: Proloroboter machen Schwarzhackler, Flaschensammler und Dschungelcampbesucher überflüssig, was die Arbeitslosenzahlen weiter nach oben treibt.

Die schlechte Nachricht: Das wird unser Sozialsystem überfordern. Die gute Nachricht: Von den 62 Superreichsten haben etliche philanthropische Anwandlungen. Vielleicht lassen sie sich breitschlagen, für ein wenig sozialen Ausgleich zu sorgen. Gut wäre es, wenn sie ihr ganzes Vermögen in Münzgeld umwechseln und Arbeitslose einstellen, damit diese ihre Dollar-, Euro- und Yuanmünzen gegen geringes Entgelt blankpolieren. Das sähe nicht nur adrett aus. Es würde auch den Neidhammeln den Wind aus den Segeln nehmen. (Christoph Winder, Album, 22.1.2016)

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