Mobbing: Psychische Gewalt oft unerkannt

25. Jänner 2016, 07:00
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Laut einer Studie erkennen Lehrkräfte Mobbing in ihren Klassen oft nicht. Wer Gewalt auch als psychisches Phänomen versteht, interveniert eher

Mobbing unter Jugendlichen scheint durch die sozialen Medien eine weitere Dimension bekommen zu haben, etwa indem Mitschüler und Mitschülerinnen via Videos oder Facebook vor einem größeren Publikum unter Druck gesetzt oder verhöhnt werden. Eine Studie der Hochschule Magdeburg-Stendal und der Universität Potsdam zeigt nun, dass körperliche Gewalt an Schulen in den vergangenen 20 Jahren zurückgegangen ist. Psychische Gewaltphänomene hingegen nahmen eher zu, weshalb die Studie auch das Gewaltverständnis von Lehrkräften untersuchte.

Der Psychologe Ludwig Bilz und der Bildungsforscher Wilfried Schubarth haben mit ihren Teams dazu mehr als 2.000 Schülerinnen und Schüler und 550 Lehrkräfte nach ihren Erfahrungen mit Mobbingfällen befragt. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Lehrkräfte über Mobbingfälle in ihren Klassen einen schlechten Überblick haben. Sie seien "unzureichend informiert und können die beteiligten Schüler nicht zuverlässig identifizieren", heißt es in einer Aussendung der Hochschule Magdeburg-Stendal. Wenn Lehrer und Lehrerinnen aber von Mobbingfällen erfahren und für Mobbing sensibilisiert sind, versucht die Mehrzahl von ihnen auch, die Gewalt zu beenden.

Gemeinsames Verständnis nötig, was Gewalt ist

Die zentrale Fragestellung der Studie lautete, wie Lehrkräfte in Mobbingsituation reagieren, was sie mit ihrem Handeln bewirken können und wie ihre Interventionskompetenz verbessert werden kann. Durch die Befragungen zeigte sich, dass das Gewaltverständnis des Lehrpersonals wichtig für die Intervention bei Mobbing ist: Lehrkräfte greifen vor allem dann ein, wenn sie ein breites Gewaltverständnis haben. Sie erkennen auch soziale Ausgrenzung und Hänseleien als Gewalt, im Gegensatz zu einem Verständnis, das lediglich körperliche Übergriffe als Gewalt ernst nimmt. Wenn Lehrkräfte ein breiteres Verständnis von Gewalt haben, würden laut Studie auch die Mädchen und Burschen selbst häufiger bei Mobbing eingreifen.

Insgesamt war die körperliche Gewalt an Schulen im Zeitraum zwischen 1996 und 2014 rückläufig. Das gilt auch für die Gewalt, die von Lehrkräften ausgeht. Doch einige Befunde aus der Untersuchung deuten darauf hin, dass psychische Gewalttaten eher zugenommen haben. Empfohlen wird daher, dass Lehrkräfte nicht nur körperliche, sondern auch psychische Gewalt stärker in den Blick zu nehmen. Um eine gemeinsame Strategie gegen Gewalt und Mobbing zu entwickeln, sei ein gemeinsames Verständnis von Gewalt nötig. (red, 25.1.2016)

  • Die Auffassung von Lehrkräften, dass auch soziale Ausgrenzung Gewalt ist, sensibilisiert Schülerinnen und Schüler.
    foto: regine hendrich

    Die Auffassung von Lehrkräften, dass auch soziale Ausgrenzung Gewalt ist, sensibilisiert Schülerinnen und Schüler.

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