Therapien für Bettnässer: Abwarten ist die schlechteste Lösung

22. Jänner 2016, 11:01
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Für Kinder und Jugendliche, die an Enuresis leiden, gibt es eine ganze Reihe von Therapieoptionen

Bettnässen kommt häufiger vor, als Eltern von betroffenen Kindern oft denken. Jedes fünfte bis sechste Kind im Vorschulalter und zehn bis 15 Prozent aller Sechs- bis Zehnjährigen wachen regelmäßig in einem nassen Bett auf. Mit einem frühzeitigen Arztbesuch sowie Verhaltensänderungen und Medikamenten gibt es jedoch sehr gute Behandlungsoptionen.

Enuresis, so der medizinische Fachausdruck, liegt bei ungewolltem Harnverlust an mindestens zwei Nächten im Monat vor. Das ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ab dem fünften Lebensjahr eine behandlungsbedürftige Erkrankung. Wenn das betroffene Kind noch nie trocken war, spricht der Arzt von einer primären Enuresis. Beginnt das Einnässen nach einer mehr als sechsmonatigen trockenen Phase, dann leidet es unter einer sekundären Enuresis.

In acht von zehn Fällen wird Bettnässen durch eine verzögerte körperliche Entwicklung verursacht. Zusätzlich spielen falsche Trinkgewohnheiten eine Rolle oder Kinder haben einen beeinträchtigten Aufwachmechanismus, der sie den Harndrang während des Schlafes nicht spüren lässt. Bettnässen kann außerdem vererbt werden.

Lieber was tun

Die Eltern sollten "gleich etwas tun", wenn das Problem auftritt, betonte die Kinder-Neuropsychologin Karoline Proksch. Psychische Störungen sind selten der Auslöser der Erkrankung, aber bei fehlender Behandlung oft die Folge. "Die Kinder werden demoralisiert und schämen sich", sagte Proksch. "Es können Trauer und Wut auftreten."

Primäre Enuresis kann aber durch emotionale Störungen – etwa bei Misshandlungen oder Störungen des Sozialverhaltens – auftreten. Bei der sekundären Enuresis sind belastende Lebensumstände häufiger die Ursache, erläuterte Proksch. Als Beispiele nannte die Wiener Medizinerin den Tod eines Elternteils oder Scheidungsfälle. Urologen sollte daher auch zu einem Besuch beim Kinderpsychologen raten, so ihre Empfehlung.

"Einschlafrituale sind besonders wichtig, weil sie Sicherheit und Geborgenheit vermitteln", sagte Proksch. "Sie helfen, den Tag zu verarbeiten, zur Ruhe zu kommen und Ängste zu reduzieren." Proksch hob vor allem Gute-Nacht-Geschichten und das abschließende "Gute Nacht" sagen hervor. "Geschichten gehören zur kindlichen Entwicklung wie das Salz zum Ei", meinte die Psychologin. (APA/red, 22.1.2016)

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