Mit den Ohren Ski fahren: Helm mit Soundfeatures

Kolumne mit Video24. Jänner 2016, 15:00
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Mit Skihelmen hört man schlechter als ohne. Das ist nicht neu. Weil Hören aber auch ein Stück Sicherheit ist, präsentieren Hersteller nun Skihelme mit speziellen Surround-Sound-Features

Ich bin dagegen. Aber ich bin nicht Maßstab, sondern Spaßbremse. Egal: Es gibt Dinge, die in meinen Augen nicht gehen – auch wenn coole Jungs und Mädels es super finden. Beschallt Ski fahren zum Beispiel. Ja eh: Treibende Beats können bei einer feinen Abfahrt – äh – "beflügeln". Lounge-Geblubber, Marschmusik oder Helene Fischer (weil jeder was anderes mag …) beim Bergauf-Stapfen den Rhythmus unterstützen. Trotzdem.

Fetter Sound ist für mich am Berg ein Nogo. Wie am Rennrad. Oder am Motorrad: Hören was rundum passiert, ist Sicherheit. Und trotzdem bin ich überzeugter Helm-Skifahrer. Obwohl fast alle Skihelme einen "Bug" haben: Man hört schlecht. Die Freunde. Die Umgebungsgeräusche. Daran, sagte mir im Vorjahr ein Entwickler, arbeite man aber. Intensiv.

foto: thomas rottenberg

Vergangenes Wochenende war ich am Arlberg. Das Schweizer Label "Scott" hatte zur Vorschau geladen. So wie jedes Jahr. So wie fast alle Marken: Diesen Sonntag beginnt in München die ISPO, die größte Sport-Fachmesse der Welt. Weil es kaum möglich ist, dort (als Besucher) den Überblick zu bewahren oder (als Hersteller) mit Innovationen hervor zu stechen, werden Berichterstatter vorab eingeladen.

Scott tat das in Zürs. Da man das Rad aber nicht neu erfinden kann, ging es vor allem um Details. Bei Skiern, Schuhen, Bekleidung – und Helmen. All das wird auf der ISPO dann auch präsentiert und ist in der nächsten Saison (2016/17) in den Shops. Deshalb bespaßte Scott in Zürs im Schnee die erste Wochenhälfte 190 Händler. Freitag und Samstag war dann die Presse dran. Gezeigt wird da nicht nur eigenes Material, sondern auch Athleten. Scott trumpft mit Jeremie Heitz auf. Der 26-jährige war im Vorjahr Gesamtzweiter der Freeride-Worldtour.

foto: thomas rottenberg

"Last year I was the first loser", definiert Heitz das. Er meint das so. Aber: Wenn dieser "Loser" mit einem Rudel skiverrückter Bergjournalisten und einem Trupp Bergführer "powdern" geht, schaut das im schweren Gelände aus, als würde Aksel Lund Svindal am Übungshang eine Kindergruppe aufmischen …

timelinemissions

So wahnsinnig es auch aussieht: Sicherheit schreiben auch diese Irren groß. Schließlich gilt für Profis das Gleiche wie für Pistenrutscher: Erzählen kann nur, wer wieder heim kommt.

Helme sind deshalb längst Standard. Nicht nur bei den "Pro"s: Kinder tragen mittlerweile praktisch alle 100, Erwachsene zu 80 Prozent Helm. Zaubern können die Teile zwar nicht – aber die Zertifizierten (das sind die meisten) viel Böses bannen.

foto: thomas rottenberg

Moderne – teure – Helme sind deshalb mitunter carbonverstärkt. Oder sonstwie gegen das Durchschlagenwerden gesichert. Zentrale Funktion ist aber oft weniger das Abfangen direkter "Impacts", als das Umlenken gefährlicher Kräfte. Systeme wie MIPS – eine "Folie" zwischen Aussen- und Innenleben – helfen, bei Rotationsstürzen Aufprall-und Dreh-Energie möglichst abzuleiten. (Das System wurde hier schon vorgestellt – etwa bei dieser Radhelm-Geschichte)

foto: thomas rottenberg

MIPS ist aber nicht ganz neu. Das nächste Thema lautet daher: Helm-Hören. Darum stellt Scott auf der ISPO stolz sein "360° Pure Sound"-Konzept vor.

Die Schweizer haben dafür medizinische Unterstützung aus Österreich geholt, erklärt Scott-Marketingmann Silvan Poltera. Zusammen mit der medizinischen Universität Innsbruck habe man Ohrenabdeckelemente entwickelt, deren "Padding" so konstruiert ist, dass durch "eine trompetenförmige Muschel" Schall besser und auch ein- und zuordenbar ans Ohr dringt.

Ich habe keine Ahnung, nach welchen Parametern man da quantifiziert. Aber angeblich funktionieren Hören, Orientieren und Definieren mit diesen "Pads" um 25 Prozent besser als zuvor. Poltera: "Das ist gelebte Sicherheit."

thomas rottenberg

Blöderweise pfeifen die Kunden vernünftigen Ansätzen aber oft was. Und am Markt kann kein Label vorbei: Auch die "360° Pure Sound"-Ohrenpads und -Helme sind "pimpbar" – mit Kopfhörern.

foto: thomas rottenberg

Poltera bedauert das: "Wir empfehlen das ganz und gar nicht. Aber ob man es tut oder nicht, fällt eben in die Verantwortung des Einzelnen. Wir können nur eines tun: Raten, davon abzusehen. Und Optionen anbieten, die für maximale Sicherheit sorgen."

foto: hersteller

Scotts Freeridehelm "Symbol" ist bereits seit dem Vorjahr am Markt. Mit 360°-Pure-Sound-Feature wird er um 160€ ab Herbst erhältlich sein. Pure-Sound-Earpads sollen aber auch nachrüstbar sein. (Thomas Rottenberg, 24.01.2016)

www.scott-sports.com

Anmerkung im Sinne der redaktionellen Richtlinien: Der Aufenthalt in Zürs war eine Einladung des Herstellers.

  • Im Sinne der Compliance-Regeln des STANDARD halten wir dazu fest: Die getesteten Teile wurden und werden uns in der Regel von den Herstellern und/oder ihren PR-Agenturen für einen beschränkten Zeitraum zur Verfügung gestellt.
    Andernfalls – etwa bei von Freunden Geborgtem, selbst Gekauftem, aus logistischen, verschleiß- oder verschmutzungstechnischen Gründen nicht Refundierbarem oder Dingen, die uns so gut gefallen, dass wir sie nicht mehr hergeben können/wollen, wird dies im Artikel angeführt.

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