Neuer "Trend" ist da: "Schwierig, alles auf einmal zu machen"

Interview22. Jänner 2016, 05:30
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Aus der Fusion mit "Format" wird der wöchentliche "Trend". Warum Print vor Online kommt, erklärt Chefredakteur Andreas Lampl

Wien – 1998 von Wolfgang Fellner als Kampfansage an "Profil" gegründet, erschien das Wirtschaftsmagazin "Format" vor Weihnachten zum letzten Mal. Die Verlagsgruppe News fusionierte das wöchentliche Heft mit dem monatlichen "Trend", um daraus einen wöchentlichen "Trend" mit einer monatlichen Premiumausgabe zu modulieren. Am Freitag kommt die erste Hybrid-Ausgabe auf den Markt. Was sich die Verlagsgruppe News davon verspricht, und warum Online erst später folgt, erzählt Andreas Lampl, der die Redaktion gemeinsam mit Andreas Weber leitet.

STANDARD: Fällt der Abschied von der Marke "Format" schwer?

Lampl: Ja, natürlich. Ich bin einer der wenigen, der schon bei der Gründung 1998 dabei war. Ich habe praktisch 17 Jahre täglich mit dem Produkt gelebt. Eine gewisse Sentimentalität ist dabei, aber nicht übertrieben, weil das "Format" ja weiterlebt. Es gibt nur die Marke nicht mehr.

STANDARD: Was ändert sich konkret?

Lampl: Inhaltlich wird sich der jetzt wöchentliche "Trend" schon am bisherigen "Format" orientieren. Die Gene des "Format" sind drinnen. Wir haben drei Dinge gemacht. Erstens haben wir die Ressorts Politik und Wirtschaft zusammengeführt, weil wir ohnehin zu 90 Prozent Wirtschaftspolitik gemacht haben. Zweitens erweitern wir den Meinungsteil. In allen Ausgaben und insbesondere in der Premiumausgabe. Drittens werten wir die internationale Berichterstattung auf, indem wir dafür ein eigenes Ressort schaffen. Journalistisch waren wir mit dem "Format" ja zufrieden, das heißt, dass wir die Welt nicht komplett neu erfinden müssen.

foto: vgn
Aus dem neuen "Trend".

STANDARD: Welchen Umfang soll die Premiumausgabe haben?

Lampl: Minimalumfang sind 132 Seiten. Durch großzügige Anzeigenbelegung hoffen wir, dass wir diesen Umfang möglichst oft überschreiten können. Erscheinen wird sie am letzten Freitag des Monats, immer mit einem Schwerpunktthema. Das sollen mindestens 20 Seiten sein. Eine Art Heft im Heft. Im Vergleich zum regulären Heft bieten wir neben dem ausgebauten Meinungsteil noch mehr Serviceelemente und Geschichten im "Privat"-Ressort. Bei der Aktualität wollen wir einen halben Schritt zurück machen, um Platz für Themen zu bieten, die auch länger als eine Woche halten.

STANDARD: Durch die Fusion erspart sich die Verlagsgruppe News pro Jahr zwölf Ausgaben. Was sind die ökonomischen Vorgaben?

Lampl: Natürlich hat der Schritt zur einheitlichen Marke einen ökonomischen Hintergrund, sonst hätten wir es bei dem monatlichen "Trend" und dem wöchentlichen "Format" belassen können. Die Rahmenbedingungen für den Printmarkt haben sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert, man musste reagieren. Es gibt jetzt zwölf Ausgaben weniger, und bei den Marketingaufwendungen können wir uns auf eine Marke konzentrieren. Ein Punkt war auch, dass wir uns im Digitalauftritt mit einer Marke leichter tun.

foto: standard / corn
Andreas Lampl.

STANDARD: Wie hoch wird die Auflage sein?

Lampl: Wir werden mit einer gedruckten Auflage von 60.000 Stück beginnen. In puncto Reichweite: Wir führen die Abonnenten beider Magazine zusammen, wollen wir uns nach der Startphase bei deutlich über drei Prozent einpendeln.

STANDARD: Der "Trend" lag laut der letzten Mediaanalyse bei einer Reichweite von 2,7 Prozent, "Format" wurden 1,8 Prozent bescheinigt. Welche Zeitvorgabe gibt es?

Lampl: Das Ziel ist, dass wir Ende 2016 bei gut drei Prozent liegen – und zumindest auf diesem Niveau auch bleiben.

STANDARD: Vor fünf Jahren lag der "Trend" noch bei knapp 4 Prozent.

Lampl: Unter den herrschenden Rahmenbedingungen wird dieser Wert kurzfristig schwer erreichbar sein.

STANDARD: Laut Zahlen der Österreichischen Auflagenkontrolle hatte der "Trend" zuletzt 16.200 Abos, bei "Format" waren es 13.000. Mit wie vielen Abonnenten startet der neue "Trend"?

Lampl: In etwa 25 Prozent werden wegfallen, weil das die Anzahl der Doppelabonnenten ist. Durch verstärkte Vertriebsmaßnahmen wollen wir diese Zahl im Laufe des Jahres kompensieren, so dass wir per Jahresende wieder bei den 30.000 – wie jetzt kumuliert – liegen.

STANDARD: Zum neuen Layout: Ein Probecover erinnert an "News". Warum?

Lampl: Das sehe ich nicht so, wir haben mit dem "Trend"-Team und Gottfried Moritz als Consulter auch andere Kreative als "News". Wir orientieren uns stark an amerikanischen Wirtschaftsmagazinen wie "Fortune" oder "Bloomberg Businessweek". Wir haben den Rahmen vom "Trend" weggenommen, deswegen mag das vielleicht im ersten Moment diese Anmutung haben, wir unterscheiden uns aber klar. Wir wollten auf jeden Fall jünger und frischer wirken. Der "Trend" hatte immer ein seriöses, aber leicht angegrautes Image.

foto: vgn
Aus der Probenummer, die vorige Woche an ausgewählte Abonnenten verschickt wurde.

STANDARD: Der Meinungsteil kommt aber im Retrostil daher.

Lampl: Der soll sich ja klar von allen anderen abheben, deswegen verwenden wir auch diesen Hintergrund. Mit unserem Claim "Wir bewegen Wirtschaft" wollen wir uns aus der reinen Beobachterrolle hinausbegeben und aktiv mitgestalten. Zum größeren Teil wird der Meinungsteil mit Gastbeiträgen bestritten. Wir wollen eine Expertenplattform sein.

STANDARD: Der "Trend" soll jünger positioniert werden. Da passt das Ressort "Privat" rein. Geht es mehr in Richtung Lifestyle und Homestorys?

Lampl: Dieses Ressort hieß auch im "Format" "Kultur und Privat", im "Trend" war es "Lebensart". Inhaltlich ist es eine Mischung aus diesen beiden. Also Lifestyle, ja. Leute aus der Wirtschaft haben auch ein Leben nach Büroschluss, und wir wollen auch deren private Seite beleuchten. Hier geht es um schöne Dinge wie Essen und Trinken oder Events.

foto: vgn
Aus dem neuen "Trend".

STANDARD: Der Fokus bei den Magazinen der Verlagsgruppe News liegt mit "Profil", "News" und "Trend", der wie vorher "Format" freitags erscheint, am oder knapp vor dem Wochenende. Warum diese Konzentration?

Lampl: Der Freitag als Erscheinungstag hat sich bei "Format" bewährt, weil er nicht nur auf das Wochenende ausgerichtet ist. Am Samstag wäre es etwas anders, aber am Freitag bekommt unsere Hauptzielgruppe das Heft sehr wahrscheinlich in der Früh ins Büro. Das ist eben kein klarer Wochenendfokus. Die Redaktion will nicht nur Lesestoff bieten, sondern auch aktuell sein. Der Freitag bietet die Chance für eine ideale Mischung.

STANDARD: Kannibalisierungseffekte befürchten Sie nicht?

Lampl: Nein, mit "News" auf keinen Fall. Der "Trend" ist und bleibt ein Wirtschaftsmagazin, die Zielgruppen unterscheiden sich stark. Von "Profil" sind wir sogar etwas weiter weg als früher, weil der "Trend" ja immer montags erschienen ist.

STANDARD: Was passiert online noch? Abgesehen davon, dass format.at auf trend.at umgeleitet wird?

Lampl: Im ersten Schritt wird trend.at stark an format.at erinnern, weil das unser bisheriger Hauptauftritt war. Der Digitalrelaunch wird erst angegangen. Verraten kann ich, dass wir Branchen eine stärkere Plattform bieten möchten und eine Social-Media-Offensive starten. Der tägliche Newsletter wird erweitert.

STANDARD: Profil.at verkauft einzelne Artikel aus dem Heft über den Digitalkiosk Blendle. Folgt trend.at?

Lampl: Vorerst nicht, aber der "Trend" wird ab Ende Jänner auf read.it, dem österreichischen Digitalkiosk, vertreten sein.

STANDARD: Die Verlagsgruppe News sortiert und positioniert ihre Magazine neu, online passiert nicht viel. Warum? Zum Beispiel lässt der für Herbst 2015 avisierte Relaunch von news.at noch auf sich warten.

Lampl: Es ist schwierig, alles auf einmal zu machen. Geändert hat sich die Struktur. Online ist News Networld eher parallel zu Print gelaufen. Die jetzige Geschäftsführung hat sinnvollerweise die Digitalschiene zur Marke geholt. Das war organisatorisch nicht so abgebildet. Richtig ist, dass der Fokus auf den Magazinen lag, aber Print und Digital sind jetzt unter einer Marke. Mit Leben erfüllen werden wir das jetzt.

STANDARD: Es gibt mit Ihnen und Andreas Weber zwei Chefredakteure für 20 Journalisten. Ist es an der Abfindung gescheitert, dass zwei Leute an der Spitze der Redaktion stehen, wie kolportiert wird?

Lampl: Das ist ein Märchen. Es gab nicht einmal ansatzweise diesbezügliche Gespräche. Was Kostenentlastungen betrifft, wird es Lösungen geben. (Oliver Mark, 22.1.2016)

Andreas Lampl (54) kam 1998 zu "Format". Nach einem Intermezzo bei "Österreich" wurde er 2008 "Format"- und "Trend"-Chefredakteur. Den neuen "Trend" leitet er mit Andreas Weber.

Nachlese
Erster Blick in den neuen "Trend"

  • Chefredakteur Andreas Lampl: Neustart für den "Trend".
    foto: standard / corn

    Chefredakteur Andreas Lampl: Neustart für den "Trend".

  • Das aktuelle Cover.
    foto: vgn

    Das aktuelle Cover.

  • Das erste "Format" erschien am 5. Oktober 1998.
    foto: vgn

    Das erste "Format" erschien am 5. Oktober 1998.

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