Konrad Lorenz: Rektor verteidigt Aberkennung des Ehrendoktorats

21. Jänner 2016, 16:38
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Respekt vor Opfern und jenen Geehrten, "die sich nie einer solchen Ideologie angenähert haben"

Salzburg – Der Rektor der Universität Salzburg, Heinrich Schmidinger, verteidigt die Aberkennung des Ehrendoktorats des österreichischen Verhaltensforschers und Nobelpreisträgers Konrad Lorenz. Der Schritt sei aus Respekt vor den Opfern des Nationalsozialismus erfolgt sowie im Sinne jener Geehrten, "die sich nie einer solchen Ideologie angenähert haben", heißt es in einer Aussendung.

Der Senat der Universität hatte im Einvernehmen mit dem Rektorat das 1983 an Lorenz verliehene Ehrendoktorat wegen aktiver Verbreitung nationalsozialistischer Ideologie aberkannt. Daran übten zuletzt die FPÖ und der Naturschutzbund Kritik.

Konsequenzen ziehen

Die Uni Salzburg mache "sich selbst den Vorwurf, bei einigen Ehrungen, die sie in der Vergangenheit vorgenommen hat, zumindest fahrlässig vorgegangen zu sein", so Schmidinger. "Obwohl ihr hätte bekannt sein müssen, dass im Falle einiger Persönlichkeiten belastende Zeugnisse aus der Zeit des Nationalsozialismus vorliegen, sind diese beim Beschluss über die Ehrungen nicht zur Sprache gekommen. Wären sie berücksichtigt worden, hätten die Ehrungen nicht ausgesprochen werden dürfen."

Die Öffentlichkeit erwarte zu Recht von der Universität einen korrekten Umgang mit ihrer Vergangenheit, "auch mit den dunklen Seiten derselben", so der Rektor. "Wie sich jedes Mal zeigt, wenn ihr Fälle vorgehalten werden, in denen sie nicht hätte ehren dürfen, genügt es nicht, wenn sie die Vergangenheit lediglich betrachtet oder feststellt. Sie muss sich dazu konkret verhalten und Konsequenzen ziehen."

"Ausmerzen des Übels"

Bei Konrad Lorenz gehe es nicht allein um sein Bekenntnis, "dass meine ganze wissenschaftliche Lebensarbeit ... im Dienste nationalsozialistischen Denkens steht", zitierte Schmidinger den Nobelpreisträger. "Sondern vor allem um seine noch 1940 gemachte Aufforderung: 'So wie beim Krebs ... der leidenden Menschheit nichts anderes geraten werden kann als möglichst frühzeitiges Erkennen und Ausmerzen des Übels, so beschränkt sich auch die rassehygienische Abwehr gegen die mit Ausfallserscheinungen behafteten Elemente auf die gleichen recht primitiven Maßnahmen'".

Gleichzeitig bezweifle man nicht die wissenschaftliche Bedeutung des "großen, wegweisenden Forschers". "Das wird er immer bleiben, das macht ihm niemand streitig. Ebenso wenig wird jemand die Verdienste von Lorenz im Einsatz für Natur und Umwelt kleinreden", so Schmidinger. (APA, red, 21.01.2016)

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