Verwerfungen in Bregenzer Kulturpolitik: ÖVP-Stadträtin geht

21. Jänner 2016, 16:22
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Kulturstadträtin Judith Reichart hört auf, vom Kulturamtsleiter trennt man sich einvernehmlich

Bregenz – Nach elf Jahren sei es legitim, sich beruflich umzuorientieren, sagt die Bregenzer Kulturstadträtin Judith Reichart (VP). Sie will sich ab Mai ganz der Herausgabe des Magazins "Original" widmen und verabschiedet sich aus der Politik. Bürgermeister Markus Linhart (VP) zeigt sich "erstaunt und überrascht". Linhart hatte Reichart 2005 als Quereinsteigerin in die Stadtpolitik und Volkspartei geholt. "Und jetzt geht sie auch wieder quer", kommentiert Linhart die Entscheidung Reicharts.

Als Anlass für den mit Mai festgelegten Abgang vermutet Linhart "die Fetz-Geschichte". Womit er die einvernehmliche Kündigung von Kulturamtsleiter Wolfgang Fetz meint. Fetz, der Ausstellungen im "Magazin 4" initiierte und das Tanzfestival "Bregenzer Frühling", wird mit Ende des Jahres gehen. Geht Reichart aus Solidarität? "Nein, wahrscheinlich hatte sie das schon länger im Hinterkopf und sieht nun die passende Gelegenheit", vermutet Linhart. Reichart bestätigt: "Ich wollte diesen Schritt schon länger tun."

Dicke Luft im Kulturamt

Differenzen über die künftige Bregenzer Kulturpolitik nennt Linhart als Trennungsgrund vom langjährigen Mitarbeiter. Man definiere den Kulturbegriff halt unterschiedlich. "Es ist doch ein gutes Zeichen einer Organisation, wenn man Auseinandersetzungen zulässt", meint der Bürgermeister. Das Dienstverhältnis endet mit Ende des Jahres. Fetz werde seine Arbeit aber außerhalb des Amtes zu Ende bringen, sagt Linhart. Der Stab stünde ihm dennoch zur Verfügung.

In der Kulturabteilung hat der Leiter kein gutes Standing mehr. Dort herrsche seit langem dicke Luft, wissen Insider. Als zwei enge Mitarbeiterinnen von Fetz kündigten und weitere ihre Kündigung androhten, sah auch der Bürgermeister Handlungsbedarf.

Kritik an Führungsstil und Arbeitsweise von Fetz war die letzten Jahre auch immer wieder von Kulturveranstaltern laut geworden. Reichart, die als Stadträtin nicht für die Kulturabteilung verantwortlich war, wie sie betont, spricht von "wunderbarer Zusammenarbeit". Die Kündigungen in der Abteilung stünden in keinem Zusammenhang mit dem Führungsstil des Leiters. "Fetz hat hohe Qualität gefahren, und dafür gebührt ihm Dank."

Wer Reichart nachfolgen wird, steht noch nicht fest. Linhart: "Das werden jetzt die Gremien diskutieren." (Jutta Berger, 21.1.2016)

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