Masterplan für Heta droht zu scheitern

21. Jänner 2016, 19:06
484 Postings

Ein Gläubigerpool mit mehr als fünf Milliarden Euro an landesbesicherten Heta-Anleihen lehnt das Rückkaufangebot ab

Wien – Schlechte Nachrichten für das Finanzministerium und das Land Kärnten: Eine Gruppe von Heta-Gläubigern, die Anleihen im Volumen von mehr als fünf Milliarden Euro hält, lehnt das Rückkaufangebot der Kärntner ab. Die Gläubiger pochen weiter auf Gespräche – und einen "langfristigen Zahlungsplan für Kärnten". Das gab die Gruppe am Donnerstag bekannt. In dem Fall wäre der Rückkauf der Anleihen gefloppt. Er klappt nur, wenn zwei Drittel der Gläubiger das Angebot annehmen. Basis sind elf Milliarden Euro.

Die aufmüpfigen Investoren (Ad-hoc-, Par- und eine neue Gruppe) haben im Dezember eine Haltevereinbarung (Lock-up-Agreement) geschlossen und sich verpflichtet, nur ein Angebot anzunehmen, das ihre Ansprüche zu 100 Prozent erfüllt. Das Angebot des Kärntner Ausgleichsfonds sieht nun aber Quoten von 75 Prozent für vorrangige beziehungsweise 30 für nachrangige Anleihen vor.

Auch Prämie überzeugt nicht

Die Details des Offerts, mit dem sich Kärnten aus seinen Haftungen freikaufen möchte, wurden am Donnerstag publiziert. Die gebotene Abschlagszahlung beträgt 7,8 Milliarden Euro, inklusive rund 413 Millionen Euro "Anreizprämie" für die Vorrang- und 176 Millionen für Nachranggläubiger. Zudem wird den Geldgebern eine Nachbesserung in Aussicht gestellt, wenn die Heta mehr erlöst.

Die Gläubigergruppe stellt vor allem in Abrede, dass das Land nur die 1,2 Milliarden Euro bieten kann, die im Offert eingebucht sind und die der Staat vorfinanziert. Laut Landesregierung beträgt die "wirtschaftliche Leistungsfähigkeit" Kärntens 800 Millionen Euro, 400 Millionen macht das Land für die Ausgleichszahlung locker.

Die 1,2 Milliarden Euro spiegeln laut Lock-up-Gläubigern aber "nicht einmal ansatzweise die Leistungsfähigkeit" des Landes wider. "Mit Unterstützung des Bundes" könnte es seine gesamte Anleiheschuld bedienen. Finanzminister Hans Jörg Schelling hat allerdings wiederholt betont, die Hypo/Heta werde den Steuerzahler nicht noch einmal belasten.

Keine Vorgespräche

Gespräche zwischen den Gläubigern und Finanzministerium oder Kärnten hat es nicht gegeben; abgesehen von einem Termin mit Finanzlandesrätin Gaby Schaunig im Juli 2015. Der sei aber "ohne inhaltliche Ergebnisse" geblieben, sagen Berater der Gläubiger. Zum Beraterkreis gehören übrigens auch frühere Hypo-Anwaltskanzleien wie Wolf Theiss oder die Agentur Rosam Change Communications. Wolfgang Rosam beriet die Hypo einst. "Da ging es um andere Aufgaben", sagt man heute.

Im Finanzministerium betont man ob dieser Vorzeichen, dass "das Angebot erst seit heute früh (Donnerstag; Anm.) bekannt ist" und die Frist bis 11. März laufe.

Allerdings haben auch schon die Analysten der Schweizer Großbank UBS die rote Fahne gehisst. Sie raten von der Annahme des Angebots ab, gehen davon aus, dass der Rückkauf nicht klappt. Sollte er das doch tun, bekommen auch die Neinsager ihre Quoten; den Rest könnten sie einklagen. (Renate Graber, 21.1.2016)

  • Artikelbild
    foto: apa/michael walcher
Share if you care.