Die steirische SPÖ sucht ihr Profil

Blog22. Jänner 2016, 05:30
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Die Landespartei wählt am Wochenende einen neuen Vorsitzenden. Kritiker halten sich zurück, Franz Voves hat seine Teilnahme abgesagt

Graz – Dieser Samstag wird keine schwere Partie für Michael Schickhofer. Wenn er am Wochenende beim Parteitag auf dem Red-Bull-Gelände in Spielberg offiziell zum steirischen SPÖ-Vorsitzenden gewählt wird, hat er nicht einmal ein Haucherl Gegenwind zu befürchten. Gewerkschaft, Frauen, Jugend: Alle stehen hinter ihm.

Das liegt weniger daran, dass da in der Steiermark ein neuer roter Wunderwuzzi geboren wurde, sondern mehr an dem Ohnmachtsgefühl, das die steirischen Genossinnen und Genossen nach wie vor lähmt. Weshalb sie auch keine große Lust haben, jetzt noch irgendwelche Obmanndebatten zu führen.

Die SPÖ spielt wieder die zweite Geige

Es hat ihnen – nach einem langen Schockmoment – in den vergangenen Monaten so richtig gedämmert, was ihr Altvorsitzender und ehemaliger Landeshauptmann Franz Voves ihnen letztes Jahr eingebrockt hat. Er hatte den Landeshauptmann-Sessel aus bis heute schleierhaften Motiven freiwillig an die ÖVP abgegeben, obwohl die SPÖ bei der Landtagswahl im Mai stärkste Partei geblieben war. Sie spielt nun wieder in alter steirischer Tradition die zweite Geige. Und das kratzt am Selbstbewusstsein, zumal man zehn Jahre lang mit Voves an der Spitze den süßen Duft der Macht schnuppern durfte.

Der 36 Jahre alte Schickhofer wurde von Voves ins kalte Wasser geworfen und bemüht sich seither tapfer, an der Oberfläche zu bleiben. Wirklich in Szene setzen konnte er sich bis heute nicht, parteipolitisch war noch keine Duftnote zu vernehmen. Noch gibt Schickhofer den fleißigen, treuen jungen Begleiter von Elder Statesman Hermann Schützenhöfer (ÖVP), der, so hat es den Anschein, noch immer ein bisschen erstaunt darüber ist, dass er mit Voves' Hilfe Landeshauptmann geworden ist.

Dünne Personaldecke

Auch wenn die SPÖ nach wie vor ihr Profil sucht und nicht wirklich vom Fleck kommt: Es gibt zu Schickhofer derzeit keine Alternative. Die Personaldecke ist ziemlich ausgedünnt, Zukunftshoffnungen drängen sich nicht auf.

Peinlichst vermieden soll auf dem Parteitag auch eine Erörterung des prekären Zustands der Grazer SPÖ werden. Die ehemalige Bürgermeisterpartei segelt im Windschatten des ÖVP-Bürgermeisters Siegfried Nagl fast unter der Wahrnehmungsgrenze. Manche rechnen mit einem Absturz auf zehn Prozent.

Vizebürgermeisterin Martina Schröck muss das Kunststück gelingen, bei der Gemeinderatswahl im nächsten Jahr der Grazer Bevölkerung klarzumachen, dass es sie gibt. Das hat sie zuletzt mit einer skurrilen Werbekampagne versucht. Sie plakatierte ihr Gesicht und schrieb darunter den Namen des Bürgermeisters in Großbuchstaben: "NAGL". Der Begleittext "Politiker sind nicht alles – Graz ist alles" war für Passanten kaum wahrnehmbar. Es kam so rüber, als würde die Frau auf dem Plakat für Nagl werben.

Vereinzelte innerparteiliche Kritiker, die über den Zustand der Landespartei nur noch ratlos sind, befürchten, dass sich die steirische SPÖ mit dem noch sehr blassen Schickhofer an der Spitze in Richtung Grazer Verhältnisse entwickeln könnte – zumindest was die politische Relevanz anbelangt.

Voves bleibt fern

Wie belastet das Verhältnis der Landespartei zu ihrem ehemaligen Vorsitzenden ist, mag man an der kurzen Mitteilung erahnen, die Voves kürzlich der Landesparteileitung zukommen ließ. Er werde nicht zum Parteitag kommen und sich weiterhin "dem politischem Geschehen fernhalten". (Walter Müller, 22.1.2016)

  • Franz Voves bestimmte Michael Schickhofer zu seinem Nachfolger. Er bleibt aber dem Parteitag am Samstag fern, auf dem Schickhofer zum neuen steirischen SPÖ-Chef gewählt wird.
    foto: apa/leodolter

    Franz Voves bestimmte Michael Schickhofer zu seinem Nachfolger. Er bleibt aber dem Parteitag am Samstag fern, auf dem Schickhofer zum neuen steirischen SPÖ-Chef gewählt wird.

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