So schreiben, dass alle es verstehen

26. Jänner 2016, 05:30
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In barrierefreie Gebäude können alle hineinkommen – barrierefreie Information kann jeder verstehen. Wie sie verfasst sein sollte, zeigt ein neues Buch

60 Prozent der Erwachsenen verstehen komplexe Informationen von Behörden nicht; können Wahlbroschüren oder Firmeninformationen nur schlecht fassen; tun sich schwer, Bücher oder Qualitätszeitungen zu lesen. "Gelungene Kommunikation ist ein rares Gut", bringen es Claus Candussi und Walburga Fröhlich in ihrem neuen Fachbuch "Leicht lesen: Der Schlüssel zur Welt" auf den Punkt – und lassen ihre Autorinnen und Autoren beschreiben, wie man es besser machen kann.

Diese vereinen Erkenntnisse aus der Psychologie und Linguistik, gespickt mit Praxisbeispielen, um Fragen zu beantworten wie: Welche Hürden gibt es beim Verstehen von Informationen? Wie kann man im Internet barrierefrei surfen? Können Gesetzestexte auch verständlicher formuliert werden?

Wissen um Möglichkeiten

Eingangs zeigen sie auf, dass Sprachbarrieren vielfältig sind (sie hängen nämlich mit Sprach- und Lesefähigkeit im Allgemeinen, aber auch mit Vorerfahrungen zusammen), um dann deutlich zu machen, warum es so wichtig ist, verständlich zu formulieren. Information dient schließlich in vielen Alltagssituationen dazu, Wissen weiterzugeben. Und dieses Wissen befähigt den Einzelnen zum Handeln, ist eben "der Schlüssel zur Welt".

foto: heribert corn
Wie Gebäude können auch Informationen barrierefrei zugänglich sein.

Beispielsweise kann ein Restaurantgast erst aufgrund von Informationen über Speiseangebote entscheiden, was er zu essen bestellen wird. "Daher ist es nicht unerheblich für seine Entscheidung, welches Medium das Restaurant für die Weitergabe der Information nutzt", schreiben Candussi und Fröhlich. Ist die Speisekarte auf Französisch, wird sich so manch einer bei der Auswahl schwer tun.

Schwere Folgen

Aus dem Restaurant wird der Gast dann jedoch schlimmstenfalls mit dem Ärger, das Falsche bestellt zu haben, heimgehen – fataler sind die Auswirkungen nicht verstandener Information in anderen Lebensbereichen: der Gesundheit, der sozialen Sicherheit, bei Finanzen oder beim Einkaufen.

Zum Beispiel muss der Konsument bei jedem Kauf die Geschäftsbedingungen bestätigen, zumeist ohne sie verstanden zu haben. Ebenso werden Arztinformationen oft auf einem Level geschrieben, auf dem nur Fachleute mithalten können – die Informationen laufen somit leer.

foto: apa/georg hochmuth
Viele Erwachsene in Österreich tun sich schwer damit, Bücher zu verstehen.

Und das kann wiederum nicht nur für den Einzelnen Folgen haben, sondern auch betriebs- und volkswirtschaftliche, wie Fröhlich und Candussi aufzeigen. Unklare Preis-Leistungs-Angaben könnten etwa zum Nichtkauf führen. Mangelnde Verständlichkeit von Angeboten zur Gesundheitsförderung dazu, dass sie nicht in Anspruch genommen werden. Auch das kostet letztendlich. Demgegenüber können leicht verständliche Infos zum Wählen animieren.

Information anpassen

Um zu veranschaulichen, wie diese idealerweise gestaltet sein sollten, schlagen Candussi und Fröhlich die "capito"-Methode vor: Dabei werden in einem ersten Schritt die Zielgruppe und die Zielsetzung bestimmt. In einem zweiten wird die Information auf 160 Kriterien – unter anderem Lesbarkeit, Verständlichkeit und Zugänglichkeit der Botschaft – abgeklopft. Schließlich, so das Konzept, muss sie durch Vertreter der jeweiligen Zielgruppe geprüft werden. (Lisa Breit, 26.1.2016)

Klaus Candussi/Walburga Fröhlich, Leicht lesen: Der Schlüssel zur Welt. Böhlau Verlag. Wien/Köln/Weimar. 2015.

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