"Neo": 21-jähriger Student will den Desktop neu erfinden

21. Jänner 2016, 10:18
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Neues User-Interface-Konzept mit Schwerpunkt auf produktivem Arbeiten vorgestellt

All dem technischen Fortschritt zum Trotz: In den letzten Jahrzehnten hat sich an der grundlegenden Interaktion mit einem Desktop-Computer recht wenig geändert. Im Kern steht noch immer dasselbe Fensterkonzept, das Xerox in den 1970er-Jahren des letzten Jahrhunderts ersonnen hat. Selbst der Aufstieg von Smartphones und Tablets hat sich auf den Desktop bisher nur wenig ausgewirkt. Ganz im Gegenteil ist etwa Microsoft nach diversen Experimenten bei Windows 8 mittlerweile wieder zu klassischen Konzepten zurückgekehrt.

Neo

Ein 21-jähriger deutscher Student will sich damit aber nicht zufriedengeben: Unter dem Namen Neo hat Lennart Ziburski nun den Entwurf für ein neues Desktop-Interface vorgestellt, das mit altbekannten Konzepten radikal brechen soll. Seine Überlegung dabei ist eine simple: Für einfache Aufgaben greifen die Nutzer immer öfter zum Smartphone. Diese Realität mache den Weg frei, um den Desktop mit einem Fokus auf produktivem Arbeiten neu zu erfinden.

Panels

Im Kern von Neo stehen die sogenannten Panels, quasi der Rahmen, in dem einzelne Programme dargestellt werden. Jedes dieser Panels nutzt automatisch die volle Höhe des Bildschirms, allerdings werden hier von Haus aus zwei Panels nebeneinander präsentiert. Das erinnert stark an die Möglichkeit vieler aktueller Betriebssysteme, Fenster nebeneinander anzuordnen. Hier wird das aber zum zentralen User-Interface-Konzept, befinden sich doch die restlichen offenen Programme einfach links und rechts des Bildschirms. Es kann also mit seitlichen Gesten auf diese gewechselt werden.

lennart ziburski

Details

Dabei ist es möglich, einzelne Panels zu minimieren, um sie temporär aus dem Blickfeld zu bekommen. Auch das Anpinnen einer App an den oberen Bereich des Bildschirms funktioniert, um diese beim Wechseln der Programme im Blickfeld zu behalten. Und wer will, kann auch die seitliche Größe der Panels ändern, um mehrere Apps gleichzeitig im Blick zu haben. Umgekehrt ist aber natürlich auch eine Fullscreen-Ansicht möglich, damit ein Programm den gesamten Bildschirm einnimmt.

Keine Überlappung

Was hingegen fehlt, ist die Möglichkeit, Fenster überlappend darzustellen – ein zentrales Konzept klassischer Fenstersysteme. Ziburski argumentiert, dass sich dieser Ansatz überlebt habe. Die Aufgaben, die man auf einem Desktop erledige, seien über die Jahre immer komplexer geworden. Ein Fenstersystem sei dafür einfach nicht mehr effektiv genug.

foto: lennart ziburski
Mehrer Panels nebeneinander stellen das Kernkonzept von Neo dar.

Tagging

Neo schlägt aber noch einige andere Neuerungen vor: So werden Verzeichnisse ganz abgeschafft, stattdessen kann jedes Objekt – ob Dokument oder E-Mail – mit Tags versehen werden, die in der Folge leicht aufspürbar sind. Einen klassischen Desktop gibt es hier nicht, stattdessen befindet sich neben der Liste der Apps ein Spezialpanel, in dem die wichtigsten aktuellen Neuerungen zusammengefasst werden. Das erinnert an Ansätze wie Google Now, hier können zusätzliche aber auch eigene Favoriten zum Schnellzugriff festgelegt werden.

Sidebar

Menüs für Programme sollen bei Neo vereinheitlicht werden, sie werden beim Klick auf ein "Hamburger"-Icon vom linken Rand des Bildschirm eingeblendet. Hier bedient sich Ziburski also bei mobilen Konzepten, packt aber wesentlich mehr Details direkt in diesen Sidebar. Der Anwendungsstart erfolgt über eine Oberfläche namens App Control, die mittels einer Drei-Finger-Geste auf dem Touchpad nach unten aufgerufen werden kann. Neben einer Liste an verfügbaren Apps werden hier auch alle offenen Panels im Überblick angezeigt. Auch sonst spielen Gesten im Konzept des Studenten eine wichtige Rolle, etwa um neue Panels zu öffnen oder wieder zu schließen. Für weitere Details über Neo sei auf die Webpage des Projekts verwiesen.

foto: lennart ziburski
Der Anwendungsstarter von Neo.

Weiterspinnen

Ziburski betont bei alldem, dass es sich bei Neo zwar nur um ein Konzept handelt, er aber hofft, dass andere dieses als Inspiration nehmen, um die Ideen weiterzuentwickeln. Zu diesem Zweck hat er die Designs auch als Sketch-Dateien unter einer Creative-Commons-Lizenz zur freien Verwendung veröffentlicht. Immerhin ist Ziburski auch klar, dass sein Konzept selbst von vielen anderen vor ihm inspiriert ist. So verweist er etwa auf das 10/GUI, das vor einigen Jahren von einem anderen Designer präsentiert wurde. Auch Anklänge an Tiling Window Manager, die seit einigen Jahren unter Linux verfügbar sind, sind unübersehbar. (red, 21.1.2016)

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