Vorzeitige Parlamentswahl im "Risikostaat" Vanuatu

21. Jänner 2016, 08:27
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Parlamentsauflösung im November, nachdem 14 von 52 Abgeordneten wegen Betrugs angeklagt sind – Bewältigung von Naturkatastrophen als Hauptaufgabe der Regierung

Port Vila – Auch wenn es der Inselstaat Vanuatu nach einem verheerenden Zyklon im vergangenen Jahr ausnahmsweise in die europäischen Schlagzeilen geschafft hat. Hierzulande ist das 270.000-Einwohnerland wohl nur den wenigsten ein Begriff. Und so hält sich auch das internationale Interesse in Grenzen, wenn am Freitag ein neues Parlament gewählt wird.

Umso erfreuter zeigte sich Cheryl Ala, Leiterin der Abteilung für lokale Behörden im Innenministerium, anlässlich des Besuches von Wahlbeobachtern der Commonwealth-Organisation: "Sie haben gezeigt, dass wir kein fernab gelegenes Land sind, das niemand wahrnimmt – sondern Teil der Gemeinschaft sind", sagte Ala laut Commonwealth-Aussendung vom Mittwoch.

Naturkatastrophen und Klimawandel

Die größte Herausforderung der Regierung stellt ohne Zweifel die Bewältigung von Naturkatastrophen dar. Aufgrund seiner geografischen Lage hat Vanuatu sowohl mit Vulkanausbrüchen als auch mit Erdbeben und Wirbelstürmen zu kämpfen. Kein anderes Land ist laut Weltrisikobericht der Vereinten Nationen Naturgewalten so ausgeliefert wie Vanuatu. Zudem zwingt der Anstieg des Meeresspiegels immer mehr Insulaner, weiter landeinwärts zu ziehen – ein Schicksal, das Vanuatu mit anderen Pazifikparadiesen wie Tuvalu und Kiribati teilt.

Vor knapp einem Jahr fegte der Zyklon "Pam" über das kleine Land. 90 Prozent aller Häuser in der Hauptstadt Port Vila wurden dabei zerstört, Tausende Menschen waren auf einen Schlag obdachlos. Die Sicherheitsvorkehrungen auf den Inseln – 65 der 80 sind bewohnt – sind unzureichend. Obwohl bereits einige Stunden vor dem Zyklon klar war, dass ein starker Sturm das Archipel erreichen würde, konnte die Bevölkerung zwar gewarnt, die Inseln jedoch nicht evakuiert werden. Logistisch ist das kaum möglich, zu weit abgelegen liegt Vanuatu.

Zahlreiche Bestechungs-Anklagen

Der Urnengang in Vanuatu findet neun Monate früher als geplant statt, nachdem Präsident Baldwin Lonsdale Ende November das Parlament auflösen musste. Der Grund: 14 der 52 Abgeordneten wurden im vergangenen Jahr wegen Bestechung anklagt und mussten ihren Parlamentssitz räumen. Eine "Regierung der nationalen Einheit" sei so nicht mehr möglich, begründete Lonsdale. Vanuatu habe in den vergangenen drei Jahren eine instabile Phase durchlaufen, erklärte auch Ala. Aber man habe bewiesen, dass man die Rechtsstaatlichkeit hochhalte.

Da es in Vanuatu kein festes Parteisystem gibt, werden zumeist erst nach den Wahlen Koalitionen aus Gruppen und Einzelkandidaten gebildet. Der Vorsitzende der größten Partei bzw. Koalition wird daraufhin im Parlament zum Premierminister gewählt; dieser ernennt dann sein Kabinett. Im Parlament war bisher keine einzige Frau vertreten.

Vanuatu ist erst seit 1980 unabhängig, zuvor stand die rund 800 Kilometer westlich der Fidschi-Inseln gelegene Inselgruppe (ehemals Neue Hebriden) unter gemeinsamer britisch-französischer Verwaltung. Mit einer Fläche von 12.190 Quadratkilometern ist das Commonwealth-Mitglied etwas kleiner als das Bundesland Tirol. Neben Melanesiern, die die Bevölkerungsmehrheit stellen, leben Polynesier, Mikronesier, Franzosen und Briten in dem Inselstaat. (APA, 21.1.2016)

  • Präsident Baldwin Lonsdale.
    foto: apa / afp / tosifumi kitamura

    Präsident Baldwin Lonsdale.

  • Nach den Zerstörungen durch Zyklon "Pam" im März ist noch viel Wiederaufbauarbeit zu leisten.
    foto: ap / nick perry

    Nach den Zerstörungen durch Zyklon "Pam" im März ist noch viel Wiederaufbauarbeit zu leisten.

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