Jungsteinzeitliches Grab weist auf friedliche, egalitäre Gemeinschaft hin

24. Jänner 2016, 18:04
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Kollektivgrab enthielt Gebeine von mindestens 47 Menschen – Bestattungen fanden über Zeitraum von rund 100 Jahren statt

Wien/Krems/Madrid – Detaillierten Einblick in Leben und Sterben in der Jungsteinzeit geben wissenschaftliche Analysen eines in Nordspanien entdeckten Großgrabs. Die dort gefundenen Überreste von mindestens 47 Personen zeugen von einer kleinen egalitären Gemeinschaft, die vor 5.700 Jahren im kastilischen Hochland gelebt hat und im Tod vereint blieb, berichten die Forscher im Fachjournal "Plos One".

Das Kollektivgrab von Alto de Reinoso in der Provinz Burgos hat einen Durchmesser von rund drei Metern und wurde 2006/07 von spanischen Archäologen unter der Leitung von Manolo Rojo Guerra von der Universität Valladolid ausgegraben. Nun wurden die Funde mit anthropologischen, naturwissenschaftlichen und archäologischen Methoden eingehend untersucht.

Gemeinschaft ohne erkennbare Hierarchiestufen

In dem Grab fanden sich zwei Bestattungsschichten, wobei die Forscher die Überreste von mindestens 47 Erwachsenen und Jugendlichen identifizierten, die rund 3.700 vor unserer Zeitrechnung über einen Zeitraum von rund 100 Jahren bestattet wurden. "Diese kurze Nutzungsdauer ist typisch für diese Zeit und die Region", schreiben die Wissenschafter um den Dentalanthropologen Kurt W. Alt von der Danube Private University (DPU) in Krems in der Arbeit.

"Die Bestattung in einem Kollektivgrab statt wie früher in Einzelgräbern deutet auf einen signifikanten Wandel in der sozialen Struktur hin", so Alt. So weise auch das Fehlen von Grabbeigaben auf eine egalitäre Gruppe ohne soziale Differenzierung zwischen den Personen hin, es war "eine Gemeinschaft im Leben und im Tod".

In dem Grab dürften drei Generationen bestattet worden sein. Die untere Bestattungsschicht war weitgehend ungestört, genetische Analysen lassen darauf schließen, dass hier enger verwandte Personen bestattet und Familienmitglieder gemeinsam begraben wurden. In der oberen Schicht wurden dagegen die Skelette eindeutig manipuliert, von den mindestens 30 festgestellten Individuen in dieser Schicht fehlten etwa neun Schädel. Als eine mögliche Erklärung dafür nennen die Wissenschafter eine bewusste Entfernung für die Ahnenverehrung.

Angesichts des weitgehenden Fehlens von Kinderknochen, die sich im Boden nicht so lange erhalten, gehen die Wissenschafter von einer höheren Zahl an Individuen aus, die dort begraben wurden. Verstorbene Kinder eingerechnet, haben die Forscher den Tod von ein bis zwei Personen aus der Gemeinschaft pro Jahr hochgerechnet. Daraus die Größe der Gruppe abzuleiten sei schwierig, Alt geht aber von rund einem Dutzend Personen aus, die die Gemeinschaft bildeten.

"Es war eine friedliche Gemeinschaft ohne Gewalt"

Die Menschen lebten von der Landwirtschaft, auch wenn das in der Meseta – das Grab liegt auf 800 Meter Seehöhe – nicht einfach gewesen sein dürfte. "Das ist eine Einöde dort", so Alt. Analysen von Kohlenstoff- und Stickstoff-Isotopen der Knochen legen nahe, dass sich die Menschen vorwiegend von Getreide ernährten, aber auch Ziegen und Schafe hielten. Dabei wurden zwischen den Individuen keine Unterschiede in der Ernährung festgestellt, was ebenfalls als Indiz für eine weitgehend homogene Gruppe gewertet wird.

"Es war eine friedliche Gemeinschaft ohne Gewalt", sagt Alt unter Hinweis auf die untersuchten Gebeine. Die Wissenschafter fanden nur moderate Erkrankungen und Verletzungen wie degenerative Gelenkserkrankungen und verheilte Brüche.

Genetische Analysen weisen auf eine Gemeinschaft von Familiengruppen hin, die über die mütterliche Linie verwandt waren. Die Untersuchungen des Verhältnisses der Strontium-Isotopen im Zahnschmelz, "das Archiv der Kindheit, das sich im Laufe des Lebens nicht mehr verändert und Hinweise darauf gibt, wo jemand aufgewachsen ist", zeigten, dass ein Großteil der Personen aus der Nähe von Alto de Reinoso stammte, nur drei dürften nicht direkt in der Nähe aufgewachsen sein. (APA, 24.1.2016)

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