Salzburger kopierte Bilder und verkaufte Originale

21. Jänner 2016, 09:00
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Ein Kunstwerk von Pablo Picasso ließ den 54-Jährigen auffliegen. Der Mann behauptet, auf Schutzgeld erpresst worden zu sein.

Salzburg – Ein ehemaliger Besitzer einer Salzburger Bilderrahmenfirma soll sich jahrelang ein Zusatzeinkommen verschafft haben, indem er hochwertige Bilder und Kunstwerke veruntreute. Der 54-Jährige fertigte seit 2003 teilweise Kopien von Bildern an, die ihm zum Rahmen übergebenen wurden, und verkaufte die Originalkunstwerke bei internationalen Galerien und Kunsthändlern weiter.

Der Gesamtschaden der Veruntreuung liege über 300.000 Euro. Zwölf Bilder gehörten einer Salzburger Privatstiftung, zwei einer Privatperson. Aufgeflogen ist der Mann erst, als die Stiftung 2014 einen neuen Kunstbetreuer bekam. Dieser habe festgestellt, dass ein Bild aus dem Corrida-Zyklus aus dem Jahr 1957 von Pablo Picasso professionell ersetzt worden sei, schildert Christian Voggenberger von der Salzburger Kriminalpolizei. Der Kunstbetreuer erstattete Anzeige.

Picasso 218.000 Euro Wert

Das Original versteigerte der Salzburger bereits am 4. Juni 2007 über ein internationales Auktionshaus. Sieben Jahre lang fiel niemandem auf, dass eine Kopie an der Wand hing. Mit bloßem Auge sei das auch nicht erkennbar gewesen, sagt der Kriminalpolizist. Das Bild hat einen Versicherungswert von 218.018 Euro. Elf weitere Bilder der Stiftung fehlten zur Gänze.

"Eine Rückerstattung des Picassos wird es wohl nicht geben", erklärt Voggenberger. Der neue Besitzer habe das Bild schließlich rechtmäßig über ein Auktionshaus erworben. Die Stiftung könne den Täter maximal auf Schadenersatz klagen.

Der Mann zeigte sich nur zum Teil geständig und gab an, die Bilder seien bei einem Einbruch gestohlen worden. Unterlagen, die bei einer Hausdurchsuchung gefunden wurden, hätten aber gezeigt, dass die Bilder über Kunsthäuser in Wien und München verkauft wurden. Für den Verkauf verwendete der 54-Jährige falsche Provenienzen. Bei einem Bild von Fritz Fröhlich und einem von Hans Joachim Breustedt fehlt allerdings ein Nachweis, wohin sie gegangen sind.

Kopien in Druckerei hergestellt

Auch die Privatperson, die zwei Bilder zum Rahmen brachte, bemerkte den Schwindel. Sie sprach den Mann an, als sie statt der Originale zwei Farbkopien zurückbekam. "Daraufhin händigte er die Originale aus", schildert Voggenberger. Die Ermittler fanden Unterlagen mit konkreten Verkaufsverhandlungen mit einer Wiener Galerie. Die Kopien stellte der 54-Jährige mit einem Großformatdrucker, einem sogenannten Plotter, in einer Druckerei her.

Als Motiv für den Verkauf der Bilder gab der Mann "Schutzgelderpressungen einer südländischen Organisation" an. "Es gibt keine Beweise oder Indizien, dass er tatsächlich erpresst wurde. Wir glauben, dass er einfach finanzielle Probleme hatte", sagt Voggenberger. Im Sommer 2015 musste der Mann auch seine Bilderrahmenfirma schließen. (Stefanie Ruep, 21.1.2016)

  • Nach diesem Bild von Fritz Fröhlich fahndet die Polizei noch. Bisher fehlen Nachweise, wohin es verkauft wurde.
    foto: polizei salzburg

    Nach diesem Bild von Fritz Fröhlich fahndet die Polizei noch. Bisher fehlen Nachweise, wohin es verkauft wurde.

  • Auch zu diesem Bild von Hans Joachim Breustedt haben die Ermittler bisher keine Spur.
    foto: polizei salzburg

    Auch zu diesem Bild von Hans Joachim Breustedt haben die Ermittler bisher keine Spur.

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