Taliban bekennen sich zu Anschlag auf Fernsehsender in Kabul

21. Jänner 2016, 07:43
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Extremisten drohen mit weiteren Angriffen wegen "bösartiger Propaganda"

Kabul – Zu dem Anschlag auf einen Kleinbus von Journalisten des TV-Senders Tolo in Afghanistan, bei dem am Mittwoch mindestens acht Menschen getötet wurden, haben sich die radikalislamischen Taliban bekannt. Weitere Angriffe auf den populären Sender würden folgen, wenn dieser nicht damit aufhöre, "bösartige Propaganda über die Taliban zu verbreiten".

Die Taliban hatten im Oktober verkündet, dass sie die Sender Tolo und 1TV wegen der angeblichen Verbreitung falscher Informationen als "militärische Ziele" betrachteten. Die Sender hatten über Vergewaltigungen berichtet, die die Taliban nach der kurzzeitigen Eroberung von Kunduz im September verübt haben sollen.

Mitarbeiter in Bus verbrannt

"Bei dem Terroranschlag heute in Kabul haben wir sieben Mitarbeiter verloren", teilte Tolo im Kurznachrichtendienst Twitter mit. Wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP sagte, sollte der angegriffene Bus Mitarbeiter des Senders nach Hause bringen. Einige Mitarbeiter seien in dem Bus verbrannt, sagte ein Tolo-Mitarbeiter. Bei den Todesopfern handelte es sich demnach überwiegend um Grafik- und Tonmitarbeiter, die hinter den Kulissen arbeiteten.

"Der Feind der Menschlichkeit, des Friedens und des Islams hat unsere Kollegen zu Märtyrern gemacht, weil sie ihre Verbrechen aufgedeckt haben", sagte Tolo-Nachrichtenmoderator Fawad Aman. Die Angreifer würden aber niemals ihr "böses Ziel" erreichen, den Sender zum Schweigen zu bringen. Der afghanische Staatschef Ashraf Ghani schrieb bei Twitter, er verurteile diesen "barbarischen Angriff auf unsere mutigen Medienmitarbeiter".

Taliban nicht bei Treffen

Die Sicherheitslage in Kabul und weiten Teilen Afghanistans hat sich in den vergangenen Monaten weiter verschlechtert. Beobachter vermuten, dass die Taliban mit ihren Angriffen größere Zugeständnisse in den derzeit laufenden Friedensverhandlungen erzwingen wollen. Nach einem ersten Treffen in Islamabad waren Vertreter aus Afghanistan, Pakistan, China und den USA am Montag in Kabul zu einer zweiten Verhandlungsrunde zusammengekommen, die zu neuen Friedensgesprächen mit den Taliban führen sollen. Die Islamistengruppe entsandte aber keine Delegation zu den Treffen. (APA, 21.1.2016)

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