Onkolgisches Wissen bündeln: Krebszentrum in Innsbruck gegründet

20. Jänner 2016, 14:40
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Der zukünftige Fokus der Krebstherapie soll in der personalisierten Behandlung durch molekulares Profiling liegen

Innsbruck – Die Medizinischen Universität Innsbruck und die "tirol kliniken" haben gemeinsam das Comprehensive Cancer Center Innsbruck (CCCI) gegründet. Am CCCI sollen die onkologischen Kompetenzen gebündelt und eine individuell maßgeschneiderte Krebstherapie möglich gemacht werden, hieß es bei einer Pressekonferenz am Mittwoch.

Einheitliche Behandlungsstandards, Tumorboards, eine gemeinsame Ambulanz, eine Studienzentrale und eine entsprechende IT-Infrastruktur sind für eine moderne Krebsmedizin unerlässlich, erklärte Wolfgang Buchberger, Medizinischer Direktor der "tirol kliniken". Diese Bereiche sollen mit dem Neubau der InnerenMedizin, der rund 65 Mio. Euro kosten werde, Ende 2017 unter einem Dach zusammengeführt werden. Die Unterzeichnung des Gründungsvertrages für das CCCI sei Ende Dezember erfolgt.

Das CCCI soll die interdisziplinäre Kooperation fördern und die fach- und abteilungsübergreifende Zusammenarbeit strukturieren, erklärte der Vizerektor für Klinische Angelegenheiten der Med-Uni, Gustav Fraedrich. In das Managing Board des CCCI sollen alle onkologisch tätigen Kliniken und die theoretischen Bereiche integriert werden. Ziel sei, eine individuelle Therapie anzubieten. "Denn Tumor ist nicht gleich Tumor und Patient ist nicht gleich Patient", meinte Fraedrich.

Mehr klinische Studien

"Die Krebstherapie erlebt derzeit eine Trendwende", betonte Günther Gastl, Direktor der Univ.-Klinik für Innere Medizin V (Hämatologie und Onkologie). Durch die Erkenntnisse der Genomforschung zeichne sich ein anderes Bild. Wurden früher Tumore nach den Organen klassifiziert, aus denen sie entstehen, werden die Krebsarten jetzt nach den molekularen Profilen unterschiedlich behandelt. Die molekulare Eigenheit des Tumors werde künftig seine Therapie bestimmen, erläuterte Gastl: "Wir suchen die Achillesferse der Krebserkrankung". Die Therapie sei daher durch eine aufwendige Diagnostik und durch molekulare Zielmedikamente bestimmt. Das Gießkannenprinzip bei der Therapie gilt als überholt.

Insgesamt sollen die klinischen Studien forciert werden, meinte Buchberger: "Wir wollen mehr Patienten in Studien hineinbekommen". Denn zum einen seien sie dadurch noch besser überwacht, zum anderen könnten neue Medikamente verabreicht werden. Derzeit würden sich in etwa zehn Prozent der Krebspatienten in klinischen Studien befinden. "Wir wollen diese Anzahl verdoppeln", meinte Buchberger. Etwa 50 bis 70 klinischen Studien seien gleichzeitig offen.

Am Klinikum Innsbruck werden pro Jahr 21.000 Patienten mit Krebserkrankungen stationär behandelt. In Tirol erkrankten laut einer Statistik des Institut für klinische Epidemiologie aus dem Jahr 2012 1.712 Frauen und 1.900 Männer an einem invasiven Karzinom. Daran verstarben 710 Frauen und 780 Männer. Für alle Karzinome zusammengefasst liege die Überlebensrate mit 65 Prozent fast gleichauf mit den Vergleichsdaten aus den USA. Bei einzelnen Tumorarten sei man sogar besser, meinte Buchberger. (APA, 20.1.2016)

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