Neue Studie: Beifang fördert Überfischung der Weltmeere massiv

21. Jänner 2016, 05:30
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Neue Erhebungen stellen die Daten der Welternährungsorganisation infrage: Die Überfischung dürfte weit stärker sein

Wien – Rund 61 Prozent der weltweiten Speisefischbestände sind laut Zahlen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Uno (FAO) bis an die Grenze ausgenutzt, 29 Prozent bereits überfischt oder erschöpft. Doch tatsächlich werden die Weltmeere noch viel stärker ausgebeutet, zeigt eine neue Studie, die in der Fachzeitschrift "Nature Communications" vorgestellt wurde. Der Grund: Die bisherigen Daten sind unvollständig.

Daniel Pauly und Dirk Zeller, Leiter des Projekts "Sea Around Us" der University of British Columbia, stellen mit ihrer Studie das FAO-Datenmaterial infrage, das in den 194 Mitgliedsstaaten über Fangmengen, Fischkonsum und Fischereiwirtschaft zusammengetragen wird. Die FAO-Ergebnisse sind Grundlage für politische Entscheidungen zum weltweiten Fischfang.

Beifang fehlt in FAO-Daten

Die Datenlücke entsteht laut den Autoren dadurch, dass nicht alle Faktoren einbezogen werden. Denn die einzelnen Staaten liefern nur ihre Fangzahlen ab – was die kommerziellen Fischer "an Land bringen", ist aber nur ein Teil des Fangs. Beifang, der tot oder halbtot ins Meer zurückgeworfen wird, wird nicht dokumentiert. Dasselbe gilt für Sportfischerei und Selbstversorger in Entwicklungsländern.

"Selten und, wenn, nur ökologisch nachhaltigen Fisch wie etwa Karpfen konsumieren", empfiehlt Greenpeace vor diesem Hintergrund. In dieser Woche erschien der aktualisierte Greenpeace-Speisefischratgeber, der Orientierung beim Einkauf bieten soll. Der Karpfen ist mit einer uneingeschränkt positiven Bewertung als Speisefisch ein Einzelfall. Hering und Wels werden grundsätzlich als vertretbar eingestuft.

Greenpeace: Alaska-Seelachs, Makrele und Seehecht tabu

Es gibt aber negative Ausnahmen, etwa Hering aus einzelnen Subfanggebieten des Nordost- und Nordwestatlantiks und Wels aus deutschen Aquakulturen. Ganz verzichten sollten Konsumenten laut Greenpeace auf Alaska-Seelachs, der mit Schleppnetzen gefangen wird. Ausnahmslos als "rot" eingestuft werden auch Aal, Rotbarsch, Makrele und Seehecht. Insgesamt hat die Umweltschutzorganisation 115 Arten bewertet, ausschlaggebend waren Herkunft sowie Fang- und Zuchtmethode. (july, 20.1.2016)

  • Der Karpfen wird von Greenpeace ausnahmslos mit "grün" bewertet. Das bezieht sich jedoch auf seine Qualitäten auf dem Teller.
    foto: apa/frank rumpenhorst

    Der Karpfen wird von Greenpeace ausnahmslos mit "grün" bewertet. Das bezieht sich jedoch auf seine Qualitäten auf dem Teller.

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