Österreichischer Filmpreis: "Ich seh, ich seh" großer Gewinner

21. Jänner 2016, 15:57
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Sechsfach nominierter Horrorfilm holte fünf Preise, darunter für den besten Film und die beste Regie

Grafenegg – Der emotionale Höhepunkt der heimischen Filmpreis-Gala kam mittendrin, nicht erst am Ende. Jakob Brossmann nahm für Lampedusa im Winter den Preis für den besten Dokumentarfilm in Empfang und bedankte sich mit einer unter die Haut gehenden Rede über ein Mädchen, das als Kind geflüchtet war und seinen Vater für immer zurücklassen musste. "Obergrenzen töten", lautete Brossmanns Fazit an dem Abend, an dem die Regierung genau diese beschloss. Dafür erntete er Standing Ovations.

Das Flüchtlingsthema blieb Mittwochabend in Grafenegg bei dem sympathisch aufrichtigen Fest der Filmbranche auch an anderer Stelle präsent. Migrantische Jugendliche fungierten als Assistenten – eine der wechselnden Moderatorinnen, Mirjam Unger, ließ sie gleich selbst die Gewinner vorlesen. Hilde Dalik war als Gastrednerin geladen und erzählte von ihrer Theaterarbeit mit Flüchtlingen, die dann auch eine Kostprobe ihrer Tanzfertigkeiten lieferten. Und dann wurden auch noch syrische Speisen gereicht.

Preise gab es freilich auch zuhauf, sogar in der neuen Kategorie der Nebendarsteller (Gerti Drassl für Ma Folie, Christopher Schärf für Einer von uns). Der für einen Oscar nominierte, aus Deutschland stammende Regisseur Patrick Vollrath wurde für Alles wird gut prämiert – und meinte, er fühle sich nun als Teil des österreichischen Films. Als beste Darsteller wurden Ulrike Beimpold für Superwelt und Johannes Krisch für Jack ausgezeichnet. Zum Triumph wurde der Abend für Veronika Franz und Severin Fiala, die mit ihrem ausgefeilten Horrorfilm Ich seh, ich seh durchaus überraschend fünf Preise gewannen, darunter auch jene für beste Kamera (Martin Gschlacht), beste Regie und den besten Film. (Dominik Kamalzadeh, 21.1.2016)

Gewinner in den 16 Kategorien:

  • Bester Spielfilm: "Ich seh, ich seh" von Veronika Franz und Severin Fiala (Produktion: Ulrich Seidl)
  • Beste Regie: Veronika Franz und Severin Fiala für "Ich seh, ich seh"
  • Bestes Drehbuch: Christian Frosch für "Von jetzt an kein Zurück"
  • Bester Dokumentarfilm: "Lampedusa im Winter" von Jakob Brossmann (Produktion: Finali Film & Wortschatz Produktion, Miramontefilm)
  • Bester Kurzfilm: "Alles wird gut" von Patrick Vollrath
  • Beste Darstellerin: Ulrike Beimpold in "Superwelt"
  • Bester Darsteller: Johannes Krisch in "Jack"
  • Beste Nebendarstellerin: Gerti Drassl in "Ma Folie"
  • Bester Nebendarsteller: Christopher Schärf in "Einer von uns"
  • Beste Kamera: Martin Gschlacht für "Ich seh, ich seh"
  • Bestes Kostümbild: Renate Martin, Andreas Donhauser für "Casanova Variations"
  • Beste Maske: Roman Braunhofer, Martha Ruess für "Ich seh, ich seh"
  • Bestes Szenenbild: Johannes Salat, Hubert Klausner für "Ich seh, ich seh"
  • Beste Musik: Oliver Welter, Herwig Zamernik für "Jack"
  • Bester Schnitt: Evi Romen für "Casanova Variations"
  • Beste Tongestaltung: William Edouard Franck, Veronika Hlawatsch, Bernhard Maisch für "Jack".
  • Mehrfach prämiert: Das Regie-Duo Severin Fiala und Veronika Franz.
    foto: apa/herbert neubauer

    Mehrfach prämiert: Das Regie-Duo Severin Fiala und Veronika Franz.

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