Putins Internetberater besitzt ein Torrent-Portal

20. Jänner 2016, 10:55
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Zeitung deckt Verbindung auf – "Torrnado" bietet Torrent-Dateien zum Download aktueller Filme an

Der russische Präsident Wladimir Putin hat vor einer Woche Herman Klimenko zu seinem offiziellen Berater für IT-Belange ernannt. Der man, der den Staatschef bei Entscheidungen zu Netzbelangen unterstützen soll, steht nun nach einem Zeitungsbericht in der Kritik. Denn ihm gehört ein Torrent-Portal, auf dem unter anderem aktuelle Filmproduktionen zum Download über den Filesharingdienst angeboten werden.

Klimenko hat sich bei seinem ersten Auftritt umgehend bei der Unterhaltungsindustrie unbeliebt gemacht. So sprach er sich gegen die Blockade von Filesharing-Portalen aus und erklärte, dass Rechteinhaber auf eine Verbesserung der ökonomischen Situation warten sollten, ehe sie die Internetnutzer mit Piraterie-Anliegen "terrorisieren".

foto: ap
Wladimir Putin (re.) und sein neuer IT-Berater Herman Klimenko.

Torrnado

Die Zeitung "Vedomosti" berichtet nun unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen, dass Klimenko die Seite Torrnado.ru gehört. Diese ähnelt zahlreichen anderen Plattformen ihrer Art und bietet unter anderem aktuelle Inhalte – etwa "Ant Man", "Mission Impossible: Rogue Nation" oder "Love" an.

Ein kurzer Check des WebStandard ergab, dass das Angebot komplett in Russisch gehalten, die Anmeldeseite aber auch auf Englisch zur Verfügung steht. Zur Anmeldung ist lediglich die Angabe eines Pseudonyms und einer E-Mail-Adresse erforderlich, die allerdings nicht einmal über die Zusendung eines Aktivierungslinks verifiziert wird.

Das Portal verweist nicht auf externe Seiten, sondern bietet zu den ausgeschilderten Filmen selber .torrent-Dateien direkt zum Download an, die auch zu funktionieren scheinen. Ob es sich bei den verbreiteten Dateien tatsächlich um die jeweiligen Werke oder Fakes handelt, wurde nicht überprüft.

screenshot: torrnado

Mitarbeiterin als Registrar

Torrentfreak ist den Angaben von "Vedomosti" weiter nachgegangen. Die Domain des Portals gehört einer Firma namens Eco PC Solutions. Diese steht im Eigentum von Alevtina Jacobson, einer Mitarbeiterin von Klimenko. Für dessen Unternehmen Media Metrics, das den viralen Faktor von Online-Beiträgen auf sozialen Netzwerken misst, betreibt sie einen neuen TV-Kanal.

Klimenko stellt diese Verhältnisse auch nicht in Abrede. Die Torrents seinen "für sich gesehen nicht illegal", schrieb er auf Facebook. "Man muss nur mit den Machern der Werke kooperieren und ihnen helfen, für ihre Rechte zu kämpfen. Die, die ihnen nicht helfen, werden bestraft, die die ihnen helfen, werden nicht bestraft", so die etwas kryptische Nachricht weiter. Ob Klimenko damit zur Kenntnis geben will, dass Torrnado als "Honeypot" (Lockmittel zur Überführung von Copyright-Sündern) operiert, ist unklar.

Auch gegen andere Anschuldigungen, die schon gegen ihn geäußert sein worden sollen, zieht Klimenko zu Felde. "Ich drehe [den Messenger] Telegram ab, ich baue eine Art chinesisches Internet in Russland auf und ich unterstütze Copyrightpiraterie. Und ich mache das alles alleine und zur gleichen Zeit."

screenshot: torrnado

Involvierung könnte Klimenko schaden

Ob seine Involvierung in den Betrieb eines Torrentportals weitere Auswirkungen auf Klimenko haben wird, bleibt abzuwarten. Die Seite selbst scheint laut Alexa-Messungen nicht zu den populärsten Filesharing-Plattformen des Landes zu gehören, als Putins IT-Berater könnte ihm die Aufdeckung dieser Verbindung trotzdem schaden.

Hinzu kommt, dass er als Staatsangestellter kein Geschäft betreiben darf, weswegen er seinen Posten bei Media Metrics wohl bald räumen dürfte. Dementsprechend hat er vor kurzem bereits verlautbart, dass er einen Teil seiner Tätigkeiten an seinen Sohn Juri abgeben werde. (gpi, 20.01.2016)

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