"Modern Peacefare": Pazifist spielt "Call of Duty", ohne zu töten

20. Jänner 2016, 10:28
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US-Künstler Kent Sheely wird zum Kriegsberichterstatter an der virtuellen Front und stimmt nachdenklich

Der US-Künstler Kent Sheely versucht sich aktuell an einem ungewöhnlichen Zugang zu Kriegsspielen. Im Zuge eines neuen Projekts versucht er, den Shooter "Call of Duty: Modern Warfare" (2007) durchzuspielen, ohne dabei einen Schuss abzugeben. In einer mehrteiligen und noch nicht beendeten Videoserie wird Sheely damit zum lebensmüden Reporter an der Front. Zum Zeugen der Gewalt und stillem Teilhaber der Militärmaschinerie.

"Das ist ein Versuch, 'Call of Duty: Modern Warfare' durchzuspielen, ohne jemanden zu töten", heißt es in der Beschreibung seiner Youtube-Serie. Eine Ausnahme gibt es allerdings: "Den Regeln nach darf ich nur töten, wenn mich das Spiel nicht weitermachen lässt, bis ich es gemacht habe. Normalerweise im Zuge einer glorifizierten Zwischensequenz, von der Art, die mich dazu auffordert, ein Fahrzeug zu beschießen, bevor die Story weitergehen kann."

Nachdenklich bis komisch

Sheely bei seinem pazifistischen virtuellen Kriegstreiben zuzusehen ist ein komisches und gleichzeitig Augen öffnendes Erlebnis. Einerseits, weil er damit die Intention der Spielentwickler komplett ignoriert und blutrünstige Gegner auf unerwartet wenig Gegenwehr stoßen (computergesteuerte Kameraden machen bei der friedlichen Herangehensweise nicht mit), und andererseits, weil diese teilnahmslose Perspektive Zeit schenkt, die Situationen entkoppelt vom Geschehen zu betrachten und seine Aufmerksamkeit auf Details zu richten, die einem zuvor vielleicht nicht aufgefallen wären.

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Virtueller Kriegsberichterstatter

Es ist dabei nicht der erste Anlauf Sheelys in Sachen virtuelle Kriegsberichterstattung. Der Medienkünstler verarbeitet seit Jahren Videospielinhalte mit realen Hintergründen und versammelte 2013 in seinem Buch "First Person: War Stories from Gamespace" Kriegsgeschichten von Spielern und deren Bildschirmschlachten.

"Die Themen und auch die Sprache ähneln sich bei echten Veteranen und Spielern, die von ihren virtuellen Kriegserlebnissen erzählen", so Sheely. "Es geht um geteilte Erlebnisse und gemeinsame Erinnerungen – auch wenn die Schlachten an Orten stattgefunden haben, die real nicht existieren." (zw, 20.1.2016)

  • Artikelbild
    foto: call of duty: modern warfare
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