Wie Bankchef Cernko seinen Posten verlor

20. Jänner 2016, 05:30
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Im Bank-Austria-Aufsichtsrat am Freitag war eine Ablöse kein Thema. Auch Cernko erfuhr erst danach vom Umbesetzungswunsch

Wien – Die Ablöse von Bank-Austria-Vorstandschef Willibald Cernko ist bei weitem nicht so friktionsfrei gelaufen, wie nach außen dargestellt. Cernkos Entscheidung, per 29. Februar den Hut zu nehmen und somit einen "Generationswechsel" zu ermöglichen, wurde vielmehr von den italienischen Eigentümern herbeigeführt – und zwar eher überfallsartig.

Vorigen Freitag hat in Wien der Aufsichtsrat der Bank Austria (BA) getagt; doch das Thema Vorstandswechsel war dort: keines. Entsprechender Beschluss wurde dort auch keiner gefasst.

Cernko vor Ball informiert

Der Aufsichtsrat steht unter der Leitung von Erich Hampel, einst selbst BA-Chef. Als Schlüsselfiguren im Kontrollgremium gelten Gianni Franco Papa sowie Marina Natale. Papa war früher Osteuropa-Chef der BA und Cernkos Vize, er leitet nun das Corporate & Investment Banking der BA-Mutter Unicredit. Natale ist Finanzchefin des Mailänder Instituts und gilt dort als wichtigste Person neben Konzernchef Federico Ghizzoni. Sie führte auch die Verhandlungen zum (letztlich nicht erfolgten) Verkauf des BA-Filialnetzes an Cerberus.

Auch Cernko wurde erst nach der Aufsichtsratssitzung vom Wunsch der Italiener, künftig mit Private-Banking-Chef Robert Zadrazil an der Spitze der Österreich-Tochter weiterzumachen, konfrontiert. Cernko, dessen Vertrag erst im Herbst um drei Jahre verlängert worden ist, hat bis dahin nicht ans Aufhören gedacht, wie es heißt. Er soll die schlechte Nachricht von Unicredit-Manager Papa überbracht bekommen haben; auch Hampel war involviert. Gelegenheit zu Gesprächen danach gab es jedenfalls: Am Samstagabend fand im Wiener Rathaus der Bank-Austria-Ball statt, an dem auch etliche italienische Banker teilnahmen.

Kein Beschluss gefasst

Die einfachen Aufsichtsratsmitglieder wurden erst im Laufe des Wochenendes (beziehungsweise am Montag) von den Entwicklungen informiert, was vor allem bei einem Teil der österreichischen Kontrollore für Empörung sorgte. Der formale Beschluss, Zadrazil zu Cernkos Nachfolger zu machen, muss also erst noch gefasst werden; das war auch in der Aussendung der BA von Montag erwähnt ("vorbehaltlich der gremialen Genehmigung").

Vorbereiten muss die Bestellung der Nominierungsausschuss des Aufsichtsrats, in dem auch Hampel als Präsident sitzt. Der Unicredit gehören so gut wie 100 Prozent der österreichischen Großbank, es wird also alles wie am Schnürchen funktionieren.

Weiterer Chefposten in Gefahr

In der Ära Zadrazil, der bisher im BA-Vorstand das Private Banking geleitet hat, wird die Bank massiv zurückgestutzt; das Osteuropageschäft soll nach Mailand wandern und das Filialnetz stark verkleinert werden.

Der fürs Filialgeschäft verantwortliche Vorstandschef ist Helmut Bernkopf – er leitet das Geschäft mit Privat- und Firmenkunden seit Jänner 2013. Die BA hat derzeit rund 190 Filialen, 70 davon (der Großteil in Wien) müssen im Rahmen der Schrumpfkur geschlossen werden. In der Bank ist man verschiedentlich davon ausgegangen, dass Bernkopf (48) Cernko dereinst nachfolgen könnte – auch Bernkopf selbst soll mit dieser Idee liebäugelt haben. Er arbeitet seit 1994 in der BA, war für sie in Rumänien und Russland und saß von 2011 bis 2013 im Konzernvorstand der Unicredit in Mailand.

Brandneuer Dreijahresvertrag

Dass die Italiener nun Zadrazil (45) für die Umbauphase in der Bank Austria den Vorzug geben, soll Bernkopf nicht gerade beruhigen, wie es heißt. Es gebe "Vermutungen, dass der Sessel des Retail-Vorstands wackelt", sagt ein Banker dazu.

Allerdings: Auch Bernkopfs Vorstandsvertrag wurde erst vor kurzem verlängert. Sein Dreijahresvertrag läuft von 1. Jänner 2016 bis Ende 2018 – eine Ablöse käme die Italiener mutmaßlich teuer. Bei Cernko verhält es sich gleich. (Renate Graber, 20.1.2016)

  • Eigentlich wollte Willibald Cernko noch die Schrumpfkur der Bank Austria mitmachen – die Italiener aber sägten ihn ab.
    foto: apa/fohringer

    Eigentlich wollte Willibald Cernko noch die Schrumpfkur der Bank Austria mitmachen – die Italiener aber sägten ihn ab.

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