Personalsuche: Hoteliers greifen zur Selbsthilfe

19. Jänner 2016, 18:26
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Mit der Kampagne "Karriere im Hotel" wollen Österreichs Hoteliers Personal suchen. Schnuppertage sollen junge Leute anlocken

Zell am See – Aus der Not wollen Hoteliers nun eine Tugend machen. Weil es immer schwieriger wird, Fachpersonal für Küche, Service oder Rezeption zu finden, startet die Österreichische Hoteliersvereinigung (ÖHV) "das größte Projekt unserer Geschichte", wie ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer am Dienstag in Zell am See sagte. Mit der Kampagne "Mach Karriere im Hotel" sollen insbesondere Schüler angesprochen werden, aber nicht nur.

"Wir wollen auch Mitarbeiter aus dem Banken- und Versicherungsbereich für uns gewinnen. Die Schnittmenge zwischen diesen Branchen und dem Tourismus ist groß", sagte Reitterer. Es gehe um praktische Fähigkeiten, flexibles Agieren, Organisierenkönnen. Etliche Anfragen von Mitarbeitern der Bank Austria seien bereits eingelangt, es könnten mehr werden, wenn das "Gesundschrumpfen" des Bankensektors 20.000 bis 25.000 Stellenstreichungen bringt.

"Offene Hoteltür"

Primär richtet sich das Augenmerk der Branche auf die 13- bis 14-Jährigen. In einem ersten Schritt will Reitterer mindestens 50 Hotels gewinnen, die bei dem für Sonntag, 9. Oktober, geplanten "Tag der offenen Hoteltür" mitmachen. Dabei sollen Schüler und Eltern Gelegenheit bekommen, hinter die Kulissen des Hotelbetriebs zu blicken. Gestartet wird in Wien, Salzburg und ausgewählten Betrieben der Ferienhotellerie. Die ÖHV lässt sich die auf drei Jahre angelegte Kampagne 500.000 Euro kosten, weiteres Geld sollen Partner wie Wirtschafts- und Sozialministerium, AMS, Hogast und Sponsoren aufbringen.

Zuletzt gingen die Lehrlingszahlen im Tourismus stark zurück – auch wegen Imageproblemen der Branche. "Zu Unrecht", wie Reitterer findet. "Wir wollen zeigen, wie es wirklich ist." Absolvierten im Jahr 2004 noch 35.000 eine Lehre im Tourismus, waren es 2014 weniger als 10.000. Gleichzeitig schrumpfte aber auch die Zahl der angebotenen Lehrstellen. Auch wanderten immer mehr Absolventen von Tourismusschulen in andere Branchen ab, etwa zu Banken. (stro, 19.1.2016)

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