EZB will faule Kredite bei Italiens Banken prüfen

20. Jänner 2016, 08:05
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In Italiens Banken schlummern faule Kredite im Volumen von 200 Milliarden Euro, davon 50 bei der Bank-Austria-Mutter Unicredit. Die EZB ist besorgt

Italiens Banken stehen erneut im Visier der EZB. Mehrere Kreditinstitute, darunter auch die Bank-Austria-Mutter Unicredit, haben Briefe der Europäischen Zentralbank erhalten, in denen diese Einschau in deren Bilanzen begehrt, um die übermäßig hohen Anteile an faulen Krediten unter die Lupe zu nehmen. Italiens Geldhäuser weisen Problemkredite im Volumen von 200 Milliarden Euro aus, 50 davon entfallen auf Unicredit.

Die Bank erklärte, die dubiosen Kredite seien zu 60 Prozent gedeckt – weit mehr als im italienischen Schnitt. Beruhigt hat dies die Anleger nicht. Unicredit-Kurse kannten auch am Dienstag nur eine Richtung: nach unten. Seit Jahresbeginn hat Unicredit bereits 20 Prozent an Wert eingebüßt, weit mehr als der Bankenbranchenindex in Mailand. Besorgt sind Investoren auch wegen der dünnen Kapitaldecke, wenngleich Unicredit-Chef Federico Ghizzoni neuerlich eine Kapitalerhöhung und den Verkauf weiterer Assets dementierte. In Mailand kursieren freilich Gerüchte, Unicredit könnte "Juwelen" wie ihre Töchter in der Türkei und in Polen abgeben.

Warnung vor Finanzwerten

Experten der US-Großbank JP Morgan warnen inzwischen vor italienischen Finanzwerten. Als Gründe werden Sorgen über ein schwaches Geschäftsjahr 2016 und faule Kredite genannt. Auch könnte sich die zu Jahresbeginn in Kraft getretene Bail-in-Verordnung, wonach Kontoinhaber beim Konkurs einer Bank zur Kasse gebeten werden, negativ auf das mit mehr als 700 Instituten stark fragmentierte Banksystem auswirken.

Verlierer Monte Paschi

Zu den größten Verlieren zählt zweifellos das Traditionshaus aus Siena, Monte dei Paschi di Siena (MPS). MPS ist heute mit zwei Milliarden Euro weniger als die Hälfte ihrer Kapitalisierung zu Jahresmitte 2015 wert, als eine Kapitalerhöhung von drei Milliarden Euro gestemmt wurde. MPS-Aktien gaben seit Jahresbeginn 40 Prozent nach. Trotz des derzeitigen Ausverkaufspreises scheint aber weit und breit kein Käufer in Sicht. Angeblich habe eine Vielzahl von MPS-Kontoinhabern in den letzten Tage ihre Konten auf andere Banken transferiert.

Zu Wochenbeginn wurde auch die Ausschreibung der vier, inzwischen in "Good Banks" sanierten italienischen Kleinbanken veröffentlicht. Angebote können bis 25. Jänner bei der Société Genérale eingereicht werden. (Thesy Kness-Bastaroli, 20.1.2016)

  • Die Europäische Zentralbank will die faulen Kredite bei Unicredit und allen italienischen Banken unter die Lupe nehmen.
    foto: apa / herbert neubauer

    Die Europäische Zentralbank will die faulen Kredite bei Unicredit und allen italienischen Banken unter die Lupe nehmen.

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