Daniil Trifonov: Zauberhafte Trickkiste der Klangfarben

19. Jänner 2016, 17:36
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Der Pianist spielte im Wiener Konzerthaus

Wien – Er ist erst knapp 25 Jahre alt, aber längst ein Geheimtipp. Manche Skeptiker meinen zwar, er täte dem Instrument Gewalt an. Aber meist überschlagen sich Kritiker in Lobeshymnen. Jubelnde Säle ist Daniil Trifonov gewohnt – und sein Spiel erinnert daran, was dieses Wort eigentlich bedeutet. Abseits des Flügels mag er etwas weltfremd wirken, doch wenn er spielt, verströmt er pure Freude: an der Haptik, am Klang, an der Verausgabung, die bei ihm so einzigartig mühelos wirkt.

Liszts Grandes Etudes de Paganini klangen im Konzerthaus wie ein Tastenspaziergang durch zauberhafte Gefilde, Bachs Chaconne (in der Bearbeitung für die linke Hand von Brahms) wirkte wie eine Einspielübung, Rachmaninoffs 1. Klaviersonate nicht wie ein kaum beherrschbares Ungetüm, sondern eher wie eine Sonatine.

Souveränität ohne erkennbares Konzept

Abseits seiner Souveränität lässt sich über Trifonovs Interpretationen nicht allzu viel sagen, zumindest nicht ein erkennbares Konzept wiedergeben. Es sei denn, es läge in den nicht enden wollenden Demonstrationen aus seiner klangfarblichen und manuellen Trickkiste, die nur verblüffen kann. Repetitionen, Arpeggien, Läufe huschen so schwerelos dahin, dass man nicht weiß, ob man seinen Ohren oder seinen Augen trauen soll, während der analytische Verstand sich allerdings fragt, was die Effekte nun genau über das Stück aussagen.

Verschwenderisch auch die Zugaben: Tschaikowskys Die Silberfee aus Dornröschen als Pianissimo-Traum, Skrjabins cis-Moll-Prélude für die linke Hand, das Menuett aus Schuberts G-Dur-Sonate und schließlich das Scherzo aus Trifonovs eigener Sonate-Fantasy - ein atemberaubendes Kaleidoskop an Effekten. Jubel. (daen, 20.1.2016)

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