Frank Stronach plant das Superrennen

20. Jänner 2016, 14:23
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Galoppspektakel mit Rekorddotation in den USA soll stotterndes Pferdewettgeschäft ankurbeln

Wien – Bescheidenheit ist nicht die größte Tugend von Frank Stronach. Dementsprechend nimmt sich auch sein Plan zur Belebung des Wettgeschäfts im Pferderennsport aus. Er schlägt für die USA ein mit zwölf Millionen Dollar dotiertes Galopprennen vor. Da könnten nicht einmal der Dubai Worldcup (zehn Millionen), geschweige denn die wichtigsten europäischen Rennen zusammen mithalten. Stronach begründet den Wunsch nach einer Art Super Bowl des Galopps mit Problemen des herkömmlichen Wettbetriebs. "Das System funktioniert nicht mehr. Bei all dieser Konkurrenz müssen wir auf unsere Kunden achten", sagt der 83-Jährige.

Stronach hat natürlich auch schon über die Finanzierung nachgedacht. Zwölf Besitzer sollen für die Teilnahme ihrer Pferde am Rennen je eine Million Dollar zahlen. Dafür wären sie im "Casino Royal" (Fachzeitung Blood Horse) an den Einnahmen – Wettumsatz, TV-Rechte, Kartenverkauf – des Rennens beteiligt. Stattfinden soll das Spektakel auf der Bahn Gulfstream Park nahe Miami, Florida.

Ebreichsdorfer Sparflamme

Sie gehört, wie weitere fünf US-Bahnen zur Stronach Group, die auch als Wettanbieter, Gestütseigner und Immobilienentwickler auftritt. Allerdings waren deren Projekte, Rennbahnen mit Casinos und Einkaufszentren zu verbinden, bisher nicht so erfolgreich, wie vom Namensgeber erwartet. So wollte Stronach vor rund 15 Jahren auch Österreichs Pferderennsport entwickeln. Sein Projekt Racino in Ebreichsdorf war bereits totgesagt, läuft aber noch – auf Sparflamme. Für heuer sind nicht zuletzt dank Unterstützung der französischen Wettgesellschaft PMU acht Renntage geplant – mit insgesamt zehn Galopprennen. 2010 waren es noch 58, vor zehn Jahren 136.

Das kann freilich nicht nur Stronach angekreidet werden. Fakt ist, dass die Konkurrenz auf dem europäischen Wett- und Spielemarkt die Umsätze bei Pferdewetten kontinuierlich sinken lässt. Zudem verlagert sich das Geschäft zunehmend ins Internet, was große Anbieter veranlasste, ihr Geschäft an steuerlich begünstigte Orte wie Malta oder Gibraltar zu verlagern. Das bedeutet für die Veranstalter geringere Einnahmen und beschleunigt die negative Entwicklung in Europa, aber auch in den USA. Ob Stronachs Gegenrezept greift, ist offen. (Nikolaus Dolenz, 20.1.2016)

  • Sechs Galopprennbahnen in den USA gehören zur Stronach Group, die auch als Wettanbieter, Gestütseigner und Immobilienentwickler auftritt.
    foto: apa/gindl

    Sechs Galopprennbahnen in den USA gehören zur Stronach Group, die auch als Wettanbieter, Gestütseigner und Immobilienentwickler auftritt.

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