Tennis: Sorgen, Gerüchte und Heuchelei

19. Jänner 2016, 17:14
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Australian Open sehen sich mit Kritik der Spieler konfrontiert, weil das Turnier von einem Wettanbieter gesponsert wird

Melbourne – Auch an Tag eins, nachdem die BBC und das Portal BuzzFeed News mit Manipulationsvorwürfen an die Öffentlichkeit getreten waren, gab es kaum ein anderes Thema. Die Veranstalter der gerade angelaufenen Australian Open gerieten in die Kritik. Es sei "ein wenig heuchlerisch", sagte Andy Murray, dass Turniere Verträge mit Wettanbietern abschließen. "Spielern ist das verboten, was gut ist." Das Ganze sei schon komisch oder zumindest "grenzwertig", sagte der serbische Branchenführer Novak Djokovic. Die Australian Open werden als erstes Grand-Slam-Turnier in der Geschichte von einem Wettbüro (William Hill) gesponsert.

Murrays britischer Landsmann Chris Kermode, Präsident der Spielerorganisation ATP, wollte die Vorwürfe seiner Aushängeschilder nicht gelten lassen. "Ich meine, man muss die zwei Themen trennen. Wettfirmen als Sponsoren sind ähnlich wie Alkoholfirmen als Sponsoren. Das ist Teil der kommerziellen Welt, nichts Unübliches." Turnierdirektor Craig Tiley verteidigte den Deal mit dem Wettanbieter, der Australier meinte, dass der Geldgeber helfen könne, "illegale Aktivitäten besser aufzuspüren".

Murray kritisiert die fehlende Transparenz, Kermode erwidert, die Transparenz könnte laufende Ermittlungen gefährden. Murray meint, die gesamte Szene müsse im Kampf gegen Manipulation aktiver werden, Kermode sagt: "Wir sind nicht hintendran, sondern gehen voran." 16 Profis aus den Top 50 sollen in den vergangenen zehn Jahren in Manipulation verwickelt gewesen, auch der Sieger eines Grand-Slam-Turniers, angeblich im Doppel. Federer würde gerne Namen hören, er stellt Fragen, ersucht um Antworten: "War es der Spieler? War es sein Team? Wer war es? War er es vorher schon einmal? War es ein Doppel- oder ein Einzelspieler? Welcher Grand Slam?"

Fest steht nur: Es gibt Matchabsprachen und damit Wettmanipulationen, die Beweisführung ist jedoch kompliziert. Auch für die Antikorruptionspolizei Tennis Integrity Unit (TIU). "Es mangelt an Beweisen. Gäbe es klare Beweise, würden sie von uns natürlich veröffentlicht werden", sagte Kermode, der deutlich machte, dass die TIU eine eigenständige, von der ATP unabhängige Behörde ist.

Kermode: "Aber eines ist auch klar: Wenn Namen draußen sind, wären das sehr schwerwiegende Behauptungen." (sid/red, 19.1. 2015)

  • Fragen über Fragen im Tenniszirkus.
    foto: apa/afp/fairclough

    Fragen über Fragen im Tenniszirkus.

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