Schmierenkomödie um Negativpreis für US-Frackingöl

19. Jänner 2016, 14:20
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Eine Raffinerie bot für Rohöl in North Dakota einen Negativpreis. Sie beruft sich auf einen Fehler, der korrekte Preis liegt aber auch nur knapp über null

Vom Schwarzen Gold zum Schwarzen Peter: Vor wenigen Jahren galt die US-Ölindustrie dank der steigenden Ölproduktion aus Schiefergestein als Garant für eine florierende Wirtschaft und einen gesunden Arbeitsmarkt. Eineinhalb Jahre nachdem der Kollaps des Ölpreises eingesetzt hat, ist im Bundesstaat North Dakota, dem Zentrum des Fracking-Booms, die Euphorie tiefer Depression gewichen. Inzwischen ist ein Barrel Öl der US-Referenzsorte WTI um weniger als 30 Dollar zu haben, während für qualitativ minderwertiges Rohöl angeblich schon negative Preise angefallen sind.

Die Raffineriefirma Flint Hills Resources, die zum Industrieimperium der Milliardärsbrüder Charles und David Koch gehört, verlangte vergangenen Freitag auf ihrer Website laut der Agentur Bloomberg die Bezahlung von 50 US-Cent dafür, dass sie ein Barrel der Sorte North Dakota Sour überhaupt abnimmt. Kurz darauf wurde die entsprechende Preisliste von Flint Hills gelöscht und der Negativpreis insofern dementiert, als es sich dabei um einen nicht näher definierten Fehler gehandelt habe. Korrekt sei demnach ein Preis von 1,50 Dollar pro Fass Öl der Sorte North Dakota Sour. Im Internet kursieren freilich noch Screenshots der angeblich falschen Preisliste.

Referenzpreise für die Region

Die Preisgestaltung von Flint Hills ist insofern bedeutsam, als sie als Referenzwert für viele regionale Akteure der Ölbranche gilt. Vor zwei Jahren hatte das Unternehmen noch fast 50 Dollar für ein Fass Öl der Sorte North Dakota Sour mit hohem Schwefelanteil gezahlt. Hintergrund des extrem niedrigen Preises ist der Mangel an Pipeline-Kapazitäten für minderwertige Ölsorten, nachdem deren Betreiber ihre Anlagen schon vor Jahren für stark schwefelhaltiges Öl gesperrt hatten. Nun muss das Rohöl auf Straßen oder Schienen transportiert werden, wodurch höhere Kosten anfallen.

Im Energiesektor sind negative Preise zwar äußerst ungewöhnlich, aber nicht beispiellos. Im Vorjahr wurde laut Bloomberg etwa Propangas am Pipieline-Knotenpunkt im kanadischen Edmonton für einige Wochen mit Preisen unter null gehandelt. Diese Marktanomalien halten jedoch nicht allzu lange vor, wie Andy Lipow, Chef der texanischen Beratungsfirma Lipow Oil Associates, vor der Aufklärung des angeblichen Irrtums erklärte: "Wenn man einem Produzenten mitteilt, dass er dafür zahlen muss, dass man sein Öl mitnimmt, gibt es ihm sicherlich einen starken Anreiz, das Bohrloch stillzulegen." Daran dürfte auch ein Preis von 1,50 Dollar pro Barrel nicht viel ändern. (Alexander Hahn, 19.1.2016)

  • Minderwertige Rohölsorten erzielen in den USA nur noch minimale Preise, wenn nicht sogar negative.
    foto: lucy nicholson

    Minderwertige Rohölsorten erzielen in den USA nur noch minimale Preise, wenn nicht sogar negative.

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