Vom Exoten zum Exportschlager

Infografik19. Jänner 2016, 15:03
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Österreichs Fußball stellt im Frühjahr die zweitmeisten Legionäre in der deutschen Bundesliga, 20 ÖFB-Spieler bedeuten ein Allzeithoch

Wien – Es waren magere Zeiten. In der Saison 2006/07 kam das aus Markus Weissenberger, Michael Langer und Stefan Maierhofer bestehende Österreicher-Trio zu insgesamt 12 Einsätzen in der deutschen Bundesliga. Die elf Spielminuten des Langen für Bayern München – er wurde kurzfristig von den Amateuren hochgezogen – waren aus österreichischer Sicht quasi das Highlight der Saison.

Wenn im Jänner 2016 Torhüter Langer ein verheißungsvolles Probetraining bei Werder Bremen absolviert und zu einem Comeback in der Bundesliga ansetzt, reicht das nur zur Randnotiz. Ein Österreicher ist im deutschen Fußball kein Exot mehr, sondern eine ernstzunehmende Option auf dem Transfermarkt.

Nicht weniger als 17 ÖFB-Legionäre nahmen die Saison 2015/16 in der obersten Spielklasse in Angriff. Aus Rang 51 in der Statistik der Nationen mit den meisten Einsätzen 2006/07 wurde Rang drei. Welch bemerkenswerter Aufschwung innerhalb eines Jahrzehnts.

Und es kommt noch besser: Mit Martin Hinteregger (Borussia Mönchengladbach), Karim Onisiwo (Mainz) und Alessandro Schöpf (Schalke 04) erhielt die österreichische Abordnung über den Winter Zuwachs. In die am Freitag anhebende Frühjahrssaison gehen also insgesamt 20 Österreicher, ein neuer Höchstwert. Österreich stellt damit das zweitgrößte Kontingent hinter der Schweiz (22) und vor Brasilien (19).

Welche Rolle die drei Neuzugänge bei ihren Vereinen spielen können, ist noch nicht absehbar. Hinteregger und Schöpf, der im ersten Testspiel einen Assist beisteuerte, sind starker Konkurrenz ausgesetzt. Onisiwo fehlt nach den Rechtsstreitigkeiten mit seinem Ex-Klub Mattersburg noch die Spielgenehmigung.

Fixgrößen in ihren Teams sind hingegen David Alaba (Bayern München), Zlatko Junuzovic (Werder Bremen), Julian Baumgartlinger (Mainz), Martin Stranzl (Gladbach), Martin Harnik, Florian Klein (beide Stuttgart), Ramazan Özcan, Lukas Hinterseer (beide Ingolstadt) und György Garics (Darmstadt).

Weniger gut ist es um die Zunft der Torhüter bestellt: Heinz Linder ist bei Frankfurt die Nummer zwei hinter dem finnischen Teamgoalie Lukas Hradecky, auch Alexander Manninger (Augsburg) und Michael Gspurning (Schalke 04) kommen über die Reservistenrolle nicht hinaus. Samuel Radlinger wird bei Hannover 96 nur bei der zweiten Mannschaft in der Regionalliga gebraucht. Einzig Özcan ist – auch im Frühjahr – gesetzt.

Unter den verletzten Spielern gibt es Entspannung: Alaba (Sprunggelenk) und Stranzl (Sehnenreizung) sind ins Mannschaftstraining zurückgekehrt. Markus Suttner (Ingolstadt) ist zum Rückrundenstart noch kein Thema, der Linksverteidiger laboriert an einem Mittelfußknochenbruch.

Die Spieler bis zur Europameisterschaft einzufrieren, wie es unlängst ein User auf derStandard.at forderte, ist keine Option. Ohne Spielpraxis wird das ÖFB-Team in Frankreich kaum bestehen können. (Philip Bauer, 19.1.2016)

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