VCM-"Winterlaufserie": Frust bei Frost

Blog21. Jänner 2016, 08:00
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Bei der "Winterlaufserie" der Vienna-City-Marathon-Macher kann man sich sehr gut auf den VCM am 10. April vorbereiten

Gleich vorneweg: Ich war nicht dabei. Weil ich nicht gleichzeitig am Arlberg und am Großglockner Skizeug testen und in Wien herumlaufen kann (mehr dazu demnächst im Outdoor-Produktblog). Deshalb wollte ich diese Woche hier etwas anderes schreiben. Aber die bereits eröffneten neuen Wiener Laufspezialgeschäfte (Runningpoint & Wemove) wird es hoffentlich in ein paar Wochen auch noch geben. Und bis zum Opening von Michael Buchleitners Laden am Salzgries wird es noch ein bisserl dauern. Darum habe ich die Geschichte über den Zusammenhang dieses kleinen Booms mit der Degeneration der zumindest brauchbar beratenden Eybl-Stores zu den Trash-Servicewüsten Sports Direct aufgeschoben.

Auch weil D. mir geschrieben hat. Und ich mich dann ein bisserl umgehört habe – und (das nur nebenbei) ich am Wochenende am Arlberg von einem Kollegen eines sehr großen deutschen Sportmagazins gefragt worden bin, "ob all das, was uns deutsche Teilnehmer eures Marathons da über schlechte Bedingungen und unfreundliche Behandlung der Läufer beim Wien-Marathon erzählt haben", stimmen könne.

Ich habe – brav lokalpatriotisch – irgendwas von "kulturellen Missverständnissen" gelabert. Und das Thema gewechselt. Dass es beim Vienna City Marathon in puncto "Jedermannläuferfreundlichkeit" viel Luft nach oben gibt, ist aber nichts Neues. Genauso wenig wie der Satz, dass konstruktive Kritik an der Organisation nach dem großen Lauf und im Taumel der vielen feinen Superlative alle Jahre wieder wirkungslos verpufft.

Manche Poster unterstellen mir, einen "Feldzug" zu führen. Weil ich halt alle Jahre wieder auf die gleichen Details und Kleinigkeiten hinweise, die in Summe einem wunderschönen Lauf einen wahrlich unschönen Geruch verleihen. Über den man in Wien halt nicht redet, der aber anderswo – Läufer reisen eben gerne und tauschen sich dann aus – schon recht bekannt sein dürfte.

Aber: Das ist kein Feldzug. Mitnichten. Ich sage nur, was ich sehe. Bin der Bote. Oder das Kind aus dem Märchen von "Des Kaisers neuen Kleidern": Ich mag "meinen" Heimmarathon nämlich. Und würde gerne dazu beitragen, ihn auch wirklich lieben zu können. Wenn es für das Ansprechen von Missständen Posterwatschen setzt, halte ich das schon aus.

Derzeit ist "Winterlaufserie": Der VCM hält Trainings- und Vorbereitungsläufe ab, die zum "Warmlaufen" (Veranstalterwebsite-Text) für den großen Lauf der 40.000 am 10. April dienen sollen – egal ob für die rund 6.000 echten Marathonfinisher oder die zahllosen Halb-, Staffel- und Kids-Läufer (und -innen), die sich dann auch als "Marathonis" fühlen dürfen. Gut so: Da erkennt man nämlich bei Wettkampfatmosphäre Schwächen und Mankos.

Als Läufer kann man dann noch gut daran arbeiten. Aber auch als Veranstalter. Wenn man will – und einen Blick auf das Feintuning abseits der Spitzenläuferbetreuung und Eigen-PR wirft. Auf schon hier zutage tretende "klimatische" Unzulänglichkeiten, Unfreundlichkeiten und Unprofessionalitäten hinzuweisen ist kein "bösartiges" Hinhacken, sondern ein Hinweis: Mit einem bisserl Wollen (und ein paar helfenden Händen mehr) ließe sich all das ganz leicht vermeiden. Anderswo schafft man das nämlich auch. Und trotzdem verhungert der Veranstalter nicht.

Wie gesagt: Ich war nicht dabei. Aber das, was mir D. (die ich persönlich nicht kenne) schrieb, klang plausibel. Passte ins bekannte Bild. Und wurde von anderen Läuferinnen und Läufern, die am Sonntag unter den 952 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des ersten VCM-Winterlaufs im Prater waren, voll bestätigt.

Darum – und damit am 10. April alles, was hier aufgeführt wird, als "vollkommen unzutreffend" und "höchstens Schnee von vorgestern" bezeichnet werden kann – kommt hier ungekürzt und unredigiert D.s Klagelied.

foto: privat

D. schreibt:

Obwohl viele der Läuferinnen und Läufer rechtzeitig vor Ort waren, waren die Mitarbeiter/innen bei der Startnummernausgabe leider heillos überfordert. Daher bildeten sich lange Schlangen ...

10 Minuten vor der geplanten Startzeit, um 9.50 Uhr, wurde vom Sprecher bekanntgegeben, dass der Start auf 10.15 Uhr verschoben wird. Der Grund: die langen Schlangen bei der Startnummernausgabe.

Um 10 Minuten nach 10 Uhr wurde dann durchgesagt, dass man sich Tee holen könne. Eher widerwillig wurden dann ein paar Becher neben die Teekocher gestellt.

Start war dann schlussendlich um 20 Minuten nach 10 Uhr. Was bei Minusgraden echt hart ist ... schließlich sind einige mit der U-Bahn angereist und hatten keine Möglichkeit, sich in einem Auto aufzuwärmen.

Der Lauf selbst geht über 7, 14 oder 21,1 Kilometer. Die übliche Praterrunde halt. Eine Verpflegungsstation mit Wasser, Isostar, Banane und Orange. Dass man von den Mitarbeitern dort nicht verlangen kann, dass sie einem die Dinge auch noch reichen, ist wohl der Kälte geschuldet.

Schade, dass bereits vor der Zielzeit von 2 Stunden beim HM bereits begonnen wurde, den Zielbereich abzubauen ...

Für die HM-Läuferinnen gab's dann im Ziel nur noch Tee, Orangen und Äpfel. Müsliriegel, Schnitten oder Ähnliches war bereits leer gegessen.

Der Anmerkung einer Läuferin, dass sie enttäuscht sei, dass es nicht mal eine Medaille gebe, kann man eigentlich nicht wirklich viel hinzufügen. Denn auch wenn für einige Vielläufer diese Wettbewerbe tatsächlich "nur" Vorbereitung auf die "richtigen" Wettkämpfe sind ... für einige bedeutet es doch einiges, hier erstmals die sieben, 14 oder gar 21,1 Kilometer zu schaffen. Dass das dann so überhaupt nicht wertgeschätzt wird, ist schade. Noch dazu, wo das Nenngeld mit 22 Euro nicht unbedingt günstig ist.

Einziger großer Pluspunkt, der mir vor allem von Läuferinnnen genannt wurde: Es gab genug WC-Boxen ;-)

Fazit: Jeder kleine Veranstalter in Hintertuppfing schafft einen pünktlichen Beginn des Laufes, eine ausreichende Verpflegung (wir reden hier nicht von einem All-you-can-eat-Buffet, sondern von ein paar Kleinigkeiten) und eine gute Stimmung zu schaffen. Der VCM kann das halt noch nicht. Er könnte es ja noch lernen. Irgendwann. Eigentlich peinlich für einen Veranstalter, der sich gerne in Superlativen ausdrückt und die größte Laufveranstaltung Österreichs organisiert. (Thomas Rottenberg, 21.1.2016)

Die Fotos wurden zur Verfügung gestellt von hdsports.at.

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