Intelligente Stromnetze: Die Ökonomie der Energietechnik

24. Jänner 2016, 14:28
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Natalie Prüggler prüft, welche Smart-Grid-Konzepte am wirtschaftlichsten sind

Soll der Umbau der Energieversorgung in Richtung erneuerbarer Energie, dezentraler Stromnetze und Smart Grids gelingen, müssen sich die Experten in den entsprechenden Entwicklungsprojekten nicht nur um die technische, sondern auch um die wirtschaftliche Umsetzbarkeit Sorgen machen. Nachhaltige Stromerzeugung, Speichertechnik und intelligenter Netzbetrieb, der jedem Verbraucher die Einspeisung erlaubt und dennoch ein stabiles Netz gewährleistet, müssen sich irgendwann auch rechnen.

"Für viele Entwicklungen gibt es noch keinen Markt. Dennoch muss man sie parat haben, wenn der Markt so weit ist. Andererseits hilft die gefinkeltste Technik nichts, wenn sie am Ende des Tages nicht nachgefragt wird", sagt Natalie Prüggler. Als Geschäftsführerin des Beratungsunternehmens Moosmoar Energies OG, das die Energiewirtschafterin gemeinsam mit ihrem Mann in Nieder-öblarn in der Obersteiermark gegründet hat, ist sie mit dieser ökonomischen Bewertung der neuen Technologien befasst. Für ihre Arbeit wurde die 1983 geborene Salzburgerin zur Femtech-Expertin des Monats Jänner gewählt. Die Initiative des Verkehrsministeriums will dazu beitragen, Leistungen von Frauen im Technologie- und Forschungsbereich sichtbarer zu machen.

Prüggler ist mit ihrem Unternehmen etwa Teil des Projekts Leafs (Integration of Loads and Electric Storage Systems into Advanced Flexibility Schemes for LV Networks) des Österreichischen Klima- und Energiefonds.

In Gemeinden in Oberösterreich, Salzburg und der Steiermark werden hier Zukunftskonzepte der Energieversorgung erprobt: Haus-Akkus, Wärmepumpen und -speicher sowie Power-to-Heat-Anwendungen, die Strom- und Wärmesysteme verbinden, Elektroautos und Anreizsysteme für Kunden, die dafür sorgen, dass der Strom dann bezogen wird, wenn er im Überfluss vorhanden ist. Die Niederspannungsnetze, die Energie von und zu den Haushalten leiten, sollen ausbalanciert und optimiert werden.

"Jedes Demonstrationsgebiet wird unterschiedlich gestaltet und hat eine andere Kundenstruktur", sagt Prüggler. "In meiner Arbeit vergleiche ich die verschiedenen Ansätze aus unterschiedlichen Perspektiven und versuche herauszufinden, welche Optionen jeweils aus Sicht der Kunden und der Netzbetreiber am wirtschaftlichsten sind." Eine Herausforderung ist die Integration der vielen involvierten Akteure eines dezentralen Netzes. "Die aktive Teilnahme der Endkunden macht das Ganze ungemein komplex."

Prüggler kam "mehr oder weniger zufällig" im Rahmen eines Praktikums für ihr Studium der Internationalen Wirtschaft an der FH Kufstein mit der Energiewirtschaft in Berührung. Es folgten eine Diplomarbeit an der FH in Kooperation mit der Energy Economics Group der TU Wien sowie eine 2013 abgeschlossene Dissertation an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt zu dem Thema.

Die nunmehrige Selbstständigkeit mache die Vereinbarkeit von Familie und Karriere einfacher, sagt die Mutter zweier Kinder. "Wenn man auf dem Land leben will und langes Pendeln nicht infrage kommt, hat man nicht viele andere Optionen", so Prüggler. "Jetzt kann ich mir mit meinem Mann Kinderbetreuung und Arbeit gerecht und flexibel aufteilen." (Alois Pumhösel, 24.1.2016)

  • Natalie Prüggler untersucht, ob sich neue Technologien am Energiesektor rechnen können.

    Natalie Prüggler untersucht, ob sich neue Technologien am Energiesektor rechnen können.

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